Fakten oder Fake - gegenseitig werfen sich Befürworter und Gegner der Südumgehung für Herzogenaurach diese Begriffe entgegen. "In einigen Zeitungsartikeln in den letzten Tagen wurden uns Lügen, Polemik und Zynismus unterstellt. Dies möchten wir richtigstellen und rufen zu einem gemeinsamen Dialog auf." Damit reagiert die Bürgerinitiative "Stopp die Südumgehung" auf die Ausführungen des Bürgermeisters German Hacker . Der hatte faktenbasiert den Initiatoren eines Bürgerbegehrens und Vertretern der Gegner der Südumgehung in einem Pressegespräch massiv widersprochen.

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In einer Stellungnahme heißt es nun: "Das größte Missverständnis ist, dass uns, den Gegnern, die Menschen in Niederndorf und Neuses egal wären, und wir nur Tiere und Umwelt retten wollen. Wir haben wahrgenommen, wie sehr sie dort unter dem Verkehrslärm, Abgasen und unsicheren Fuß- und Radwegen leiden. Daher muss der Verkehr reduziert, die Staus beseitigt und Lärm und Abgase vermindert werden." Die Lösung der Stadt sei die weiträumige Südumfahrung. Die Initiative erkenne an, dass die Stadt Herzogenaurach und die ansässigen Unternehmen sich um den Schutz der Natur bemühen und vielfältige Maßnahmen für die Kompensation der Naturzerstörung durch die Straße vornehmen wollen.

Aber: "Die Enttäuschung, dass wir die lange herbeigesehnte Lösung für Niederndorf/Neuses in Frage stellen, können wir nachvollziehen, aber die Aggressivität gegenüber den Geschäften, die sich bereiterklärt haben, den basisdemokratischen Prozess des Bürgerbegehrens zu unterstützen, nicht. Diese Stimmung wird leider auch noch dadurch angeheizt, dass uns unterstellt wird, dass wir falsche Aussagen auf der Unterschriftenliste zum Bürgerbegehren machen. Leider wird nicht ausgeführt, welche Unwahrheiten das sein sollen."

Bürgermeister Hacker hatte in diesem Fall vor allem auf den vorgeworfenen Flächenverbrauch reagiert. Er hatte angeführt, dass es keine wie in den Informationen angeführten mehr als 20 Hektar seien, sondern aufgedröselt, dass es eine Versiegelung in der Bauphase gebe, die dann aber wieder rückgebaut werde. Die Initiative allerdings rechnet vor und bestätigt letztlich die Aussage des Bürgermeisters : "Bei der uns vorgeworfenen falschen Darstellung des Flächenverbrauchs nennt Bürgermeister Hacker mit acht Hektar jedoch nur die Nettoversiegelung durch die Straße. Die Straße verbraucht jedoch laut Plan 32,1 ha (hier spricht Hacker von 20 Hektar), wobei neben der Versiegelung elf Hektar unbefestigte Nebenflächen und 10,6 Hektar Kompensationsflächen enthalten sind."

Verkehr ist das Problem

Bei der Frage möglicher neuer Baugebiete argumentiert die Initiative: "Kennen Sie eine Straße, die in einer lebendigen und wachsenden Stadt keine weiteren Bauten nach sich gezogen hat? Hier kann natürlich auf die aktuelle Planung verwiesen werden, aber unsere Darstellung ist keine Lüge und auch nicht ärgerlich - höchstens, weil sie den Menschen die Augen für die zukünftige Naturzerstörung öffnet."

Das Grundproblem in Herzogenaurach sei das hohe Verkehrsaufkommen. Nur eine Verringerung der Verkehrslast bringe nachhaltige Verbesserung, während eine Verteilung mehr Gerechtigkeit schaffen kann, aber das Grundproblem nicht löst. Allerdings werden durch die Neuverteilung andere Ortsteile wie das Lohhofgebiet belastet, der ÖPVN wird kannibalisiert, sagen die Vertreter der Initiative.

"Unser Vorschlag, eine intelligente Verkehrssteuerung in der Stadt vorzunehmen, haben wir offensichtlich nicht richtig erklärt. Die Lösung für eine gerechtere Verteilung des Verkehrs könnte durch die Einrichtung von Verkehrsleitsystemen sein, wie man sie von Autobahnen kennt, die entweder zeitgesteuert und mit lokalen Signalgebern die Verkehrsflüsse lenken oder sogar mit künstlicher Intelligenz vorbeugend Staus verhindern. Noch einfacher wäre es, wenn alle Pendler eine App auf dem Smartphone verwenden, die ihnen die am wenigsten belastete Route anzeigt, die dann auch wenn sie vielleicht etwas länger ist, eingeschlagen werden kann", lautete die Reaktion auf die Frage, dass es an umsetzbaren Vorschlägen fehle.

Die endgültige Lösung für die Reduktion des Verkehrs kann oder muss eine Kombination von Maßnahmen sein, wobei sich jede Lösung an den Kriterien Emissionen, CO2 -Ausstoß, Naturerhalt, Kosten und versteckte Umweltkosten messen lassen muss. So kann z. B. P+R an der Autobahn zusammen mit einer Seilbahn durch den Aurachgrund nur richtig wirken, wenn die Parkplätze bei Schaeffler reduziert werden. Abschließend wird erklärt: "Gerne bringen wir uns in die Diskussion auch mit den Anwohnern ein." Es bleibt spannend.