2019 wurde die Fachschule für Heilerziehungspflege in Herzogenaurach gegründet. Aktuell gibt es eine Klasse im zweiten und eine Klasse im ersten Ausbildungsjahr. Im August 2021 beginnt zudem ein neu konzipierter, berufsbegleitender Weiterbildungskurs zum Heilerziehungspflegehelfer, der laut einer Pressemitteilung der Lebenshilfe Erlangen-Höchstadt in dieser Form einzigartig in Bayern ist. Sowohl die zweijährige Fachausbildung als auch der einjährige Helferkurs sind über die regionalen Jobcenter bzw. die Agentur für Arbeit förderbar. Mit dem Abschluss „Staatlich anerkannter Heilerziehungspfleger“ kann die fachgebundene Fachhochschulreife erworben werden, was eine akademische Laufbahn ermöglicht.

Holger Lieb unterrichtet die Fächer Pflege und Medienpädagogik und ist Koordinator für Praxis der Heilerziehungspflege . Im Interview erklärt der stellvertretende Schulleiter und Heilpädagoge / Inclusion Studies (B.A.), was die Ausbildung in der Heilerziehungspflege so besonders macht.

Was zeichnet Heilerziehungspfleger aus?

Holger Lieb: Ein Heilerziehungspfleger sollte immer auch Menschenfreund sein. Die Arbeit ist vor allem dadurch geprägt, was jemand selbst ist. ,Der Mensch wird am Du zum Ich‘ – dieser Satz von Martin Buber ist für mich ein Motto für diesen Beruf . Heilerziehungspfleger arbeiten mit ,Kopf, Herz und Hand‘ und sehen immer den Menschen mit all seinen Bedingungen im Vordergrund. Wobei mir die ,Herzseite‘ die wertvollste ist.

Welche Eigenschaften sind bei diesem Beruf gefragt?

Eine zentrale Eigenschaft ist Teamfähigkeit. Auch ist es wichtig Geduld, Einfühlungsvermögen, Durchhaltevermögen, Beobachtungsgenauigkeit und Merkfähigkeit mitzubringen. Man sollte Freude daran haben, Menschen in vielfältigen Lebenslagen zu begleiten, anzuleiten und zu pflegen, und dies in der Rolle des Assistenten, der auf Augenhöhe handelt.

Welche Zugangsvoraussetzungen bestehen?

Man benötigt einen Mittleren Schulabschluss sowie eine abgeschlossene mindestens zweijährige einschlägige Berufsausbildung oder Berufstätigkeit oder eine abgeschlossene Ausbildung in der Heilerziehungspflegehilfe. Alternativ gelten auch eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anderen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf in Kombination mit einer mindestens einjährigen einschlägigen Berufstätigkeit oder eine mindestens vierjährige Führung eines Mehrpersonenhaushalts. Wer zum Beispiel eine Ausbildung in der Sozialpflege oder der Kinderpflege abgeschlossen hat, kann direkt mit der Heilerziehungspflege-Ausbildung beginnen.

Wem würden Sie die einjährige Weiterbildung empfehlen?

Den Einstieg über die Heilerziehungspflegehilfe ist ideal für Menschen, die bereits in der Behindertenhilfe arbeiten. Man sollte bereits eine Begeisterung für die Heilerziehungspflege entwickelt haben und in diesem Feld eine berufliche Perspektive anstreben. Der Bedarf ist da – die Einrichtungen brauchen neben Fachkräften auch dringend Helfer. Und Helfer können sich in Richtung Heilerziehungspflege weiterqualifizieren oder auch Erzieher werden.

Welche Perspektiven bietet die Heilerziehungspflege ?

Eine Tätigkeit in der Heilerziehungspflege eröffnet vielfältige berufliche Perspektiven in der Behinderten- und in der Kinder- und Jugendhilfe. In der Ausbildung wird ein großes Spektrum an Erfahrungen vermittelt und weitere Bereiche können mit Praktika erschlossen werden. Man kann auch berufsbegleitend studieren und Leitung oder Lehrer werden.

Das Gespräch führte

Julia Grubmüller.