Weisendorf  — Auf die Spuren der Tracht im Seebachsgrund können sich Besucher am kommenden Sonntag im Museum des Heimatvereins Weisendorf begeben. Es ist am 7. August wieder von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Das Wort Tracht ist für Franken eine irreführende Kleidungsbezeichnung. Früher verstand man darunter die heutige Bezeichnung „Kleidung“, wodurch sich die einzelnen Stände unterschieden − vor allem die Landbevölkerung von der Stadtbevölkerung. Bei den Städtern war die Tracht nur Mode. In Franken war und ist diese umgangssprachlich das „ Gewand “.

Bedeutung ändert sich

Erst im bayerischen Königreich unter den Wittelsbachern änderte sich der Sinn des Wortes. Beim ersten Oktoberfest im Jahr 1810 ließ König Max I. Kinder und Jugendliche auch aus den neuen Landesteilen Franken nach München kommen. Der erste Trachtenumzug fand anläßlich der Silberhochzeit von König Ludwig I. und seiner Frau Therese im Jahr 1835 statt. Dadurch stärkten die Wittelsbacher das Gemeinschaftsgefühl in ihrem neuen Königreich und bezweckten damit auch die Integration der neu hinzugekommenen Gebiete.

Aktuell versteht man in Bayern dagegen unter Tracht allgemein das Dirndl und die Lederhose . Schon um 1860 wird erwähnt, dass sich die fränkischen jungen Männer immer öfter weigerten, die in Franken übliche halblange Lederhose wie der Vater oder der Großvater zu tragen. Sie zogen stattdessen die französischen Stoffhosen vor.

Bei den Mägden bestand die Bekleidung meist aus einem Leinenhemd und darüber einem Kleid mit integrierter Schürze. Bei den Bäuerinnen aus einem Hemd oder einer Bluse mit Rock. Eine Möglichkeit war ein Kleid, das einen V-Ausschnitt hatte statt einem runden Ausschnitt, wie bei bayrischen Kleidern üblich.

Die Gewandlänge ging im Alltag bis zur Wade, beim guten Gewand am Sonntag dagegen bis zum Boden. Am Gewand konnte auch die Konfession der Trägerin erkannt werden. Bei den katholischen Trägerinnen wurden meist kräftige Farben für die Schürzen und die Socken eingesetzt. Die Protestanten verwendeten dagegen gedecktere Farbtöne wie schwarz, braun, dunkelgrün und dunkelblau.

Die Haube verschwindet

Die Farbenwelt explodierte förmlich als die Anilin-Farben auf den Markt kamen. Wer es sich leisten konnte, trug dann ab dieser Zeit bunte Kleidung. Um 1880 verschwand auch die Haube und wurden durch den Hut und das Kopftuch verdrängt. Letzteres wurde mit der Zeit bedruckt und mit Applikationen versehen. Nach dem Ersten Weltkrieg konnten sich wohlhabende Bewohner in Franken auch immer öfter Urlaubsreisen gönnen. Die fränkischen Damen fanden Gefallen an dem Mieder, das im Alpenvorland von den Frauen häufig getragen wurde und brachten diese Mode mit nach Franken .

Weisendorf zählte bis Anfang der 1960er Jahre zu den fünf ärmsten Gemeinden im Bezirk, die Menschen mussten sparsam sein, um über die Runden zu kommen, und konnten sich nur sehr eingeschränkt modisch kleiden. Es zählte vielmehr die Zweckmäßigkeit.