Den Fundamentaltheologen Professor Elmar Klinger, einen gebürtigen Herzogenauracher, kennen viele Gläubige als Zelebranten in katholischen Gotteshäusern , lange Jahre in der Frühmesse in der Stadtpfarrkirche, aber auch in der Kirche des Liebfrauenhauses. Nun können sie ihn als Prediger noch einmal neu entdecken.

Der Herzogenauracher Schriftsteller Günther M. Doliwa konnte Klinger dazu motivieren, 30 seiner Predigten auszuwählen, die er dann in Reinform brachte und für eine Publikation zusammenfasste, die den Titel trägt: "Ein Sämann ging aus zu säen - Denkanstöße von Prof . Dr. Elmar Klinger."

Denn für Doliwa wird Klinger in seinen Predigten zum Sämann der kniffeligen Reich-Gottes-Botschaft Jesu . Der Sämann ist einfach der, der sät. Bescheiden und mit klaren Worten tut er seinen Dienst. Der Same ist das Reich Gottes. Daran mitzuwirken, ist Klinger spürbar eine Freude. In seinen Predigten kann er seine Herkunft von der Fundamentaltheologie nicht verleugnen. Wie seine Studenten an der Universität bei der Vorlesung , so bezieht er seine Gottesdienstbesucher mit ein und beantwortet Fragen. Die Zusammenstellung der Predigten hat Doliwa für Klinger geschaffen - mit dem Wunsch, dass die Saat des Sämanns vielfach aufgehen möge.

Zunächst nur sporadischen Unterricht

Geboren wurde Klinger als Sohn des Geschäftsführers der Baywa , Heinrich Klinger, und seiner Ehefrau Elisabeth, geborene Bausch, im Anwesen Hauptstraße 69. Seine Mutter entstammte einer alten Herzogenauracher Familie. Mit seinen Klassenkameraden wurde er zwar 1944 eingeschult, der Unterricht fand im ersten Schuljahr allerdings nur sporadisch statt.

1947 musste die Familie Klinger ihr Haus an der Ansbacher Straße verlassen, genauso wie die Bewohner der Hermann-Müller-Straße. Die US-Amerikaner hatten offensichtlich Gefallen an den erst kurz vor Kriegsbeginn errichteten Häusern und ihrer ruhigen Lage gefunden. Erst 1952 konnte die Familie ihr eigenes Domizil wieder beziehen, das von den Amerikanern geräumt worden war.

Da für Klinger und seine Schulkameraden die 1. Klasse nicht wirklich stattgefunden hatte, bereitete Konrad Bucher drei Schüler eigens für das Gymnasium vor. Seinen Sohn Alexius Bucher, Elmar Klinger und Ferdinand Wachter. Für Herzogenauracher, die eine weiterführende Schule besuchen wollten, bedeutete dies früher meist einen Wechsel nach Bamberg oder Erlangen. Das Ottonianum in Bamberg schloss seine Mutter von vorneherein aus, denn dieses fungierte quasi als Vorstufe für das Priesterseminar . Aus diesem Grund besuchte er ab 1949 das Aufseesianum. Dort gab es für Klinger einen Bezug zur Heimat, denn als Direktor wirkte der ehemalige Herzogenauracher Kaplan Josef Kraus .

Rahner als Vorbild

Klinger meldete sich nach dem Abitur im Bamberger Priesterseminar an. Das Studium verbrachte er von 1958 bis 1960 in Bamberg. Um seine Studien weiterführen zu können, wurde er für Innsbruck freigestellt. Studienschwerpunkt war dort die Dogmatik. Leitfaden des Lehrangebotes war die "Summa Theologica" des Thomas von Aquin . Prägend waren Karl Rahner , dessen Bruder Hugo Rahner und Josef Andreas Jungmann .

Am 29. Juni 1965 empfing Klinger in Bamberg die Priesterweihe , gemeinsam mit dem Herzogenauracher Alexius Bucher. Als Aushilfe war er danach in Elbersberg, Schwarzenbach a.d.Saale, sowie in Kemmern tätig.

Als Karl Rahner 1965 nach München an die Philosophische Fakultät wechselte, folgte ihm Klinger. Die Promotion erfolgte 1967 bei Rahner mit dem Thema "Offenbarung im Horizont der Heilsgeschichte: Historisch-systematische Untersuchung der heilsgeschichtlichen Stellung des Alten Bundes in der Offenbarungsphilosopie der Katholischen Tübinger Schule ". Rahner zog es weiter nach Münster, wo der nachmalige Karl Kardinal Lehmann sein erster Assistent war. Klinger löste diesen von 1967 bis 1974 ab. Dort erfolgte auch 1974 bei Rahner seine Habilitation mit der Arbeit: "Ekklesiologie der Neuzeit. Grundlegung bei Melchior Cano und Entwicklung bis zum II. Vatikanischen Konzil." Anschließend wirkte Klinger als Privat-, dann als Universitätsdozent. Im Januar 1976 erfolgte seine Berufung auf den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft in Würzburg.

Beschäftigung mit Südamerika

Klingers Forschungsschwerpunkt liegt beim Zweiten Vaticanum und dessen Gesamtprogrammatik für die nachkonziliare Entwicklung in Theologie und Kirche. Daraus resultiert auch seine Beschäftigung mit Südamerika. Sein Engagement mündete in dem Buch "Armut: eine Herausforderung Gottes; der Glaube des Konzils und die Befreiung des Menschen". Nach der Überzeugung von Klinger braucht das Fach Interesse für die Ereignisse in der Welt. Er leitete das DFG-Projekt "Die Wahrnehmung der Geschlechter. Differenz in religiösen Symbolsystemen".

Zusätzlich war er Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaft und der Künste sowie Sprecher der Fundamentaltheologen in Bayern. Außer seinen Verpflichtungen an der Universität engagiert er sich im Priesterkreis Burg Feuerstein.