Spannend waren die Themen, mit denen sich die Preisträger auf Regionalebene des "P-Seminar-Preises 2021" in den beiden vergangenen Jahren beschäftigten. Trotz coronabedingter Einschränkungen können sich die Ergebnisse sehen lassen, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken: So konzipierten Schüler des Gymnasiums Höchstadt ein "Museum im Koffer" für eine Reise in die Steinzeit. Dieser Museumskoffer ist nun dem Heimatmuseum Höchstadt übergeben worden und kann dort von Schulen und Freizeiteinrichtungen ausgeliehen werden.

Eine Schülergruppe des Emmy- Noether-Gymnasiums Erlangen recherchierte zu den Schicksalen jüdischer Bürger in Erlangen, an die mit den "Stolpersteinen" erinnert wird, und dokumentierte ihre Ergebnisse in einer selbst programmierten App. Das P-Seminar "Radio" des Sigmund-Schuckert-Gymnasiums Nürnberg gestaltete in Zusammenarbeit mit dem Radiosender egoFM eine einstündige Sendung mit selbst gebauten Beiträgen, moderiert durch Teilnehmer des P-Seminars.

Der Preis war vom Bayerischen Kultusministerium, der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft und der Eberhard-von-Kuenheim-Stiftung der BMW AG ausgeschrieben worden.

In jedem Schuljahr nehmen an bayerischen Gymnasien rund 2700 Projekt-Seminare ihre Arbeit auf. Die Seminare , die alle Schüler der elften und zwölften Jahrgangsstufe durchlaufen, sind an Leitfächer gekoppelt und setzen eine Projektidee mit unterschiedlichen Partnern aus der Arbeitswelt um. Die enge Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Forschung ermöglicht den Schülern einen Einblick in verschiedene Berufsfelder und trägt dadurch zur Studien- und Berufsorientierung bei.

Exponate aus dem 3-D-Drucker

Ein Museum zum Mitnehmen zu entwerfen - das war die Idee des P-Seminars des Gymnasiums Höchstadt. Gemeinsam mit ihrer Kursleiterin Isabella Klumpe haben die 15 Teilnehmer des Seminars sieben Stationen konzipiert, an denen die Schüler dem Leben der Steinzeitmenschen nachspüren können. Für das richtige Ambiente sorgen Tierfelle und Rollups, die das Leben der Menschen in der Jung- und Altsteinzeit zeigen. Ein Highlight des Projektkoffers mit allen Materialien und Stationen sind sicherlich die im schuleigenen 3-D-Drucker erstellten Schädel-Repliken eines Australopithecus, Neandertalers und Homo sapiens .

Damit Kinder und Jugendliche eigenständig an den Stationen arbeiten können, haben die P-Seminaristen Schritt-für-Schritt-Anleitungen verfasst und sogar kleine Anwenderfilme gedreht, die über einen QR-Code von jedem Smartphone abrufbar sind. Äußerst beeindruckt vom Konzept, den pädagogischen Überlegungen und den bis ins Detail toll umgesetzten Materialien zeigten sich die Sponsoren wie die LAG Aischgrund und der neue Besitzer des Museumskoffers, das Heimatmuseum Höchstadt, bei der Vorstellung des Ergebnisses.

Das P-Seminar "Stolpersteine gegen das Vergessen - die Menschen hinter den Namen" des Emmy-Noether-Gymnasiums hatte es sich unter Leitung von Antonie Walther zum Ziel gesetzt, die Einzelschicksale jüdischer Bürger in Erlangen, an die mit den sogenannten "Stolpersteinen" erinnert wird, eingehender zu beleuchten und ihre Ergebnisse über eine selbst entwickelte App der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Erlangen recherchierte ein Teil der Teilnehmer zu den Biografien ausgewählter Personen, bei denen die historischen Überlieferungen gesichert sind.

Schicksale in einer App

Eine andere Gruppe beschäftigte sich mit Formen der Erinnerungsarbeit und der Gedenkstättenpädagogik, um auf dieser Grundlage das Konzept und Design der selbst gestalteten App zu entwickeln. Entstanden ist eine hochinformative App, die in Kurz- und Langtexten sowie in Audiodateien die Schicksale der Menschen hinter den Steinen eindrücklich vor Augen führt. Zeitgenössische Fotografien der Wohnhäuser sowie ein grober historischer Überblick über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Erlangen ergänzen diese Informationen in gelungener Weise.

Das P-Seminar "Radio" des Sigmund-Schuckert-Gymnasiums Nürnberg produzierte mit Unterstützung des Medienzentrums Parabol eine einstündige Radiosendung , die dann im Sender egoFM ausgestrahlt wurde. Hierzu mussten Skripte entwickelt, Interviewpartner gesucht und befragt werden und schließlich die Beiträge geschnitten werden. Auch Moderation und Auswahl der Musik erfolgten durch die Seminarteilnehmer. Wer nun neugierig geworden ist, der findet einen Mitschnitt mit den Beiträgen zu so unterschiedlichen Themen wie dem Tik-Toker Mämmäd, zu Vorurteilen oder zum Allgemeinwissen unter folgendem Link: https://soundcloud.com/jungetalente/sets/allgemeinwissen-auf-dem-prufstand-schonheitsideale-tiktok-und-die-datteltater.

Ausschlaggebend für die Entscheidung der Jury, diese drei Schulen auszuzeichnen, waren die überzeugenden Projektideen, die zielgerichtete Planung und Durchführung der Projekte und deren Präsentation bzw. Dokumentation. Alle Preisträger pflegten intensive Kontakte zu außerschulischen Partnern und berücksichtigten verschiedene Studien- und Berufsfelder. Dies war vor allem in diesem Jahr keine Selbstverständlichkeit, da bedingt durch die Pandemie Zeitpläne und Arbeitsformen ständig angepasst werden mussten und vielfach nur ein virtueller Kontakt möglich war. Für die Preisträger auf Bezirksebene wird ein Preisgeld von jeweils 200 Euro zur Verfügung gestellt. Auch wenn eine persönliche Ehrung auf regionaler Ebene durch den Ministerialbeauftragten Martin Rohde coronabedingt entfallen muss, so bleibt die Hoffnung auf einen Erfolg in der nächsten Runde des Wettbewerbs auf Landesebene. Der Landespreis wird Ende März in München virtuell übergeben. red