Herbert Pickel hat einen Traum: " Mühlhausen - die erste Gemeinde ohne Pflanzenschutzmittel !" Der Nebenerwerbslandwirt aus Mühlhausen würde diesen Weg gerne mit seinen Berufskollegen, die bislang noch konventionell anbauen, gemeinsam gehen. Pickel bezeichnet sich als " Landwirt ohne Gift". Das Wort "Bio" könne er schon fast nicht mehr hören. Er hat für sich einen Weg gefunden. Düngen und hacken, die mechanische Unkrautbekämpfung mit Maschinen also, sei das Beste für die Böden und die Natur überhaupt. Ein "Weiter so" ist für ihn keine Lösung, denn dann wäre er der Verlierer, macht er bei einem Rundgang durch seine Felder deutlich.

Auf den Anbau von Körnerfenchel hatte er gesetzt. Fenchel , der für Babynahrung , vor allem für Tee verwendet wird, sei ein Nischenprodukt, "eine super Frucht", dachte er sich. "Das kann und macht nicht jeder, damit kann man Geld verdienen." Im ersten sehr trockenen Sommer sei er zwar "etwas mickrig" gewesen. Im letzten Sommer sei er jedoch prächtig gediehen und bis zu zwei Meter hoch geworden. Für die Trocknung der Ernte , die schonend bei 32 bis 35 Grad warmer Luft erfolgen muss, hatte sich Pickel eine Konstruktion gebaut und es auch geschafft, diese Temperatur zu halten. "Geht man mit der Wärme höher, verflüchtigen sich die ätherischen Öle."

Für die Vermarktung habe er sich mit einigen anderen Landwirten zu einer kleinen Gemeinschaft zusammengeschlossen. Die einzelnen Partien wurden gesammelt, auf Rückstände untersucht und zur Aufbereitung gebracht. Dann kam der Schock für den Landwirt aus Mühlhausen : In seiner Ernte wurden zwei Pflanzenschutzmittel festgestellt. "Die sind so flüchtig, dass man nicht nachweisen kann, wer sie gespritzt hat", berichtet Pickel.

Der Wind verteilt das Spritzmittel

"Sind Sie wirklich sicher, dass Sie das nicht reingespritzt haben", habe ihn der Laborchef gefragt. Pickel war sich sicher: "Beim Augenlicht meiner Kinder ", beteuerte er. Bis zu diesem Zeitpunkt habe er nie etwas darauf gegeben, wenn ihm gesagt wurde, ringsum seien alle Flächen konventionell bewirtschaftet. Sein Feld sei praktisch eine "Bio-Insel". Je nachdem wie der Wind weht, könne das Spritzmittel Hunderte von Metern getrieben werden. Die Bauern hätten Dokumentationspflicht, welche Mittel sie wann und in welcher Menge ausgebracht haben. Er dürfte aber keine Einsicht in die Unterlagen nehmen. Daher sei es auch nicht möglich, den Schaden nachzuverfolgen. Denn mit dem Anbau des Fenchels habe er 3500 Euro sprichwörtlich in den Sand gesetzt. Diese Erfahrung stimmt den Landwirt aus Mühlhausen sehr nachdenklich: "Wir können in ganz Deutschland keine Produkte für Babynahrung mehr anbauen." Es gebe praktisch keinen Anbau ohne Rückstände mehr. 35 000 Tonnen an Pflanzenschutzmitteln würden jährlich in Deutschland ausgebracht. Dabei geht es seiner Meinung nach auch ohne Gift.

"Die Bauern haben es nur verlernt." Er wolle deshalb aber keinen Landwirt verurteilen. Die Bauern seien "Knechte der Politik und der chemischen Industrie", findet Pickel. Beim Verkauf dürften sie nicht das verlangen, was sie eigentlich bräuchten. Vielmehr werde der Preis von oben diktiert. Auch den Bio-Bauern gehe es nicht gut. "Wir sitzen alle in einem Boot."

Trotzdem will er weitermachen. Er will den Fenchel stehen lassen, ja noch mehr anbauen. Er untersuche seinen Boden und gebe nur die Nährstoffe, die fehlen. "Ein ausgeglichener Boden bringt gesunde Pflanzen und verhindert das Aufkommen von Unkraut", ist seine feste Überzeugung .