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der wissen natürlich, wer mit dem „Baptist“ gemeint ist, von dem im Gedicht „Zwaa Schbraachn“ die Rede ist. Ähnliche Anekdoten wie die von dem Pommersfeldener Gemischtwarenhändler gibt es viele im neuen Buch von Helmut Schleicher. In seinem zweiten Mundartbuch hat der Autor , ein Limbacher Urgestein, 77 „Nuch annerra Gschichdn ausm Reing Ebrachgrund“ aufgeschrieben. Es ist der zehnte Band der „Materialien Reicher Ebrachgrund“, die der gleichnamige Heimatverein herausgebracht hat.

Helmut Schleicher, der in Limbach aufgewachsen ist und heute in Bamberg lebt, habe damit „dem Volk aufs Maul geschaut“, schreiben Angelika und Andreas Steinbauer in ihrem Vorwort. Die Pommersfeldener Pfarrer zitieren damit keinen geringeren als Martin Luther .

Wer des Fränkischen nicht mächtig ist, wird sich allerdings etwas schwer tun bei der Lektüre des neuen Heimatbuchs. Selbst wenn sogar der liebe Gott Fränkisch spricht, wie Pommersfeldens Bürgermeister Gerd Dallner dazu schreibt, wird das den Lesern fernab dieses Idioms kaum weiterhelfen.

Die Menschen seiner Umgebung

Es menschelt, in Schleichers Mundartbuch. In seinem ersten, vor drei Jahren erschienenen Band „Rückspiegel auf Fränkisch“ reflektiert der Autor besonders die Nachkriegsjahre. Im neuen Band beschäftigt er sich vor allem mit den Menschen seiner Umgebung. Nicht zuletzt sind es ihre Stärken und Schwächen, auf die sich Schleicher „einen Reim gemacht“ hat.

Es darf davon ausgegangen werden, dass der des Fränkischen kundige Leser noch einiges an Mundart parat hat. „Schnärbfl“ zum Beispiel dürfte – zumindest bei der Wurst – ein noch recht gängiger Ausdruck sein. Doch weiß man heute noch wer der „Bfanna-Hans“ war? Oder wer einst beim „Stahlmoo“ einkehrte?

Erinnerungen auch in Bildern

Ein Buch also, das besonders Leser aus der Region ansprechen dürfte. Der Erinnerung helfen in besonderer Weise die Bilder nach, die diesen Band zu einem echten Heimatbuch machen: Lehrer und Pfarrer, Nachbarn, Verwandte, Vereine, Feste und Ausflüge hat Schleicher in alten (und neuen) Bildern dokumentiert und – heiter-humorig – in Versen festgehalten. Sowohl in den Fotografien als auch den Texten sind viele wiederzufinden, die längst nicht mehr unter den Lebenden weilen.

Der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins, Franz Kachler, hat das Buch zusammengestellt. Ein Teil der Bilder stammt von seiner Frau Bärbel. Mit ihren wundervollen, selbst modellierten Tonfiguren hat Lissy Hirschmann, Töpferin aus Mühlhausen, zur Illustration beigetragen.

In seinem neuen Mundartband lässt der Autor damit ein Gesamtbild vom Leben auf dem Land entstehen, das es so heute fast nicht mehr gibt.

Wie meint Schleicher doch sehr sinnig: „Di Zeidn ändeän si!“