Die mit dem neuerlichen Lockdown beschlossenen Schulschließungen zeigen, dass Distanz- und Hybridunterreicht unerlässliche Instrumente sind, um den Schulbetrieb weiterhin aufrechterhalten zu können. Dabei legt die Corona-Krise aber auch offen, dass der Zugang zu digitalen Medien nicht überall ausreichend vorhanden ist. Für den Distanz- und Hybridunterricht brauchen Schüler Zugriff auf einen PC oder Laptop.

Doch das ist nicht überall in Bayern gegeben, weiß Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV). Sie sagt, nicht jedes Kind in Bayern, das ein Endgerät braucht, habe bereits eines. Gründe dafür gebe es viele. Zum einen reiche das Geld aus dem Fördertopf des Digitalpakts nicht aus, um alle Kinder mit einem Leihgerät auszustatten. Zum anderen könnten viele Kommunen und Schulen in ganz Deutschland die Wartung der zusätzlichen Geräte nicht stemmen.

Deshalb freuten sich die Leitung der Grundschule Weisendorf und Heike Roberts, Leiterin des Elternbeirates sowie des Fördervereins für offene Jugendarbeit , über eine Spende von ortsansässigen Firmen über elf Endgeräte . "Eine der großen Herausforderungen im Distanzunterricht besteht darin, eine heterogene Schüler- und Elternschaft auf vielfältigen Wegen zu erreichen, damit jedes Kind optimal individuell betreut wird", sagt Rektorin Petra Pausch. So biete die Digitalisierung viele Möglichkeiten für Lehrer, ihren Unterricht neu zu gestalten, kreativer zu werden und sich effizienter zu organisieren.

Viele Wege führen in die Schule

Darauf hat sich auch die Schulleitung in Weisendorf vorbereitet und stellt vielfältige Tools zur Verfügung. Unter anderem den direkten Austausch von ausgedruckten Arbeitsblättern, die zur persönlichen Abholung in der Aula ausliegen, aber auch der Postweg, Fax oder Scan und Sammelmails via Esis stehen zur Verfügung. Zudem gibt es ein Eltern-Schüler-Informationssystem, einzelne Mails an Eltern, den Wochenplan in Papierform per E-Mail oder über "Padlet", eine digitale Pinnwand, auf der Texte, Bilder, Videos, Links, Sprachaufnahmen, Bildschirmaufnahmen und Zeichnungen abgelegt werden können.

Dabei werden verschiedene Vorlagen geboten, um in die kooperative Arbeit zu starten. Die App macht es beispielsweise möglich, digitale Pinnwände zu erstellen und Live-Chats zu starten. Jede Änderung von verschiedenen Computern kann live mitverfolgt werden, so dass der Inhalt immer auf dem neuesten Stand ist. Eine Klasse kann gleichzeitig an einer Pinnwand arbeiten, sie mit Inhalten füllen, die Einträge kommentieren und so in Echtzeit darüber diskutieren.

Es gibt fachspezifische Padlets für den Religionsunterricht, Werken und Gestalten oder Sportangebote, heruntergeladene Lernvideos, selbst erstellte Erklärvideos, Klassenmeetings, Elternmeetings via Web oder Klassengruppenmeetings und das persönliche Einzeltelefonat mit der Lehrkraft. "Padlet" ist ein "Schweizer Taschenmesser für die Zusammenarbeit" und kann vielfältig im Unterricht und darüber hinaus genutzt werden. "Das Wichtigste ist für mich dabei, dass hier die Aktivität der Lernenden im Mittelpunkt steht", erläutert die Rektorin.

Einige dieser Tools sind allerdings nur mit einem Tablet oder Laptop zu verwenden. Nach Abfrage des Bedarfs an digitalen Endgeräten unter der Elternschaft wandte sich die Schule über den Sachaufwandsträger, die Marktgemeinde Weisendorf , an die Regierung von Mittelfranken. Die Geräte wurden sofort genehmigt und bestellt. Da es viele Bestellungen gab, wurde mitgeteilt, dass die Auslieferung von elf Tablets einige Wochen dauern würde.

Von der langen Lieferzeit erfuhr auch Uwe Fischer , Geschäftsführer der Firma Neumüller Elektronik und Vater einer schulpflichtigen Tochter sowie Pate der dritten Klasse. Er warb bei Freunden um Unterstützung, und neben der Firma Neumüller Elektronik steuerten auch die Firmen biTma Solutions GmbH und HSM Laptops bei. Mit großem Zeitaufwand statteten Bernd Maier, Geschäftsführer der Firma biTma Solutions aus Erlangen, und sein Azubi Janos Neudecker, ehemaliger Schüler in Weisendorf , elf Endgeräte für den schulischen Bedarf aus. Mit der Spende wollen die Firmen einen Beitrag dazu leisten, dass Schülern genügend Hardware zur Verfügung steht, um gut ausgestattet am Distanzunterricht teilnehmen zu können. "Die Digitalisierung von Schulen und die damit einhergehende digitale Kompetenz ist nicht nur in Corona-Zeiten ein wichtiger Zukunftsfaktor für unsere Kinder", sagt Uwe Fischer .

Geräte werden weitergegeben

Die Systembetreuerin der Grundschule Weisendorf , Luise Pöverlein, installierte die notwendigen Programme. Wenn in der Weisendorfer Schülerschaft wieder der Präsenzunterricht beginnt, sollen diese Geräte dem Förderverein für offene Jugendarbeit , insbesondere der Mittagsbetreuung, gespendet werden. In der Zwischenzeit werden sie die Wartezeit auf die offiziell von der Regierung bezuschussten Tablets überbrücken und Familien bzw. Kindern ohne Endgerät zur Verfügung stehen.

"Zusammen mit dem Förderverein begrüßen wir diese Spende sehr und danken den tatkräftigen Firmen. Sie ermöglichen nun der gesamten Schülerschaft den Zugriff auf digitale Tools im Distanzunterricht", freut sich die Schulleiterin mit dem gesamten Lehrerkollegium.