„Wir schlafen nicht mehr ohne Handy“, sagt Richard Simmet. Es vergehe kein Tag ohne Einsätze, bestätigt Angela Geier. Ständig sei etwas los. Das sei schon in der eigenen Familie so, weiß die mehrfache Mutter aus eigener Erfahrung. Erst recht bei 30 Kindern aus der Ukraine, die der Helferkreis in Wachenroth und Mühlhausen betreut.

Die beiden Nachbargemeinden, engagierte Helfer und die Kirchen arbeiten im Helferkreis Wachenroth-Mühlhausen zusammen. 44 Flüchtlinge, davon 21 Kinder im Alter zwischen zwei Monaten und 16 Jahren, sind in Wachenroth untergebracht. Mit den Flüchtlingen in Mühlhausen sind es insgesamt rund 70 Personen, die bereits jetzt betreut werden. 20 weitere Geflüchtete sollen bald dazukommen, wissen die Ehrenamtlichen.

Für den Helferkreis stellen sich damit Aufgaben, die eine echte Herausforderung sind. Arztbesuche müssen organisiert und Medikamente besorgt werden. Biometrische Passfotos für die Registrierung bei der Ausländerbehörde mussten gemacht werden. Eine Kleiderkammer wurde in der Ebrachtalhalle eingerichtet und muss betreut werden.

Kleidung, auch Spielsachen seien jetzt ausreichend vorhanden. Mitunter werde ein spezielles Teil gebraucht. Eventuell auch Schuhe, wenn die passende Größe nicht vorhanden sei. Dann suchen die Helfer mit ihren Schützlingen das Schuhhaus am Ort auf.

Spendengelder helfen

Die Ausgaben werden meist aus Spendengeldern, die dem Helferkreis zur Verfügung gestellt werden, bezahlt. Den Sprit für die unzähligen Fahrten bestreiten die Helfer bislang noch aus der eigenen Tasche. Zwar könne der Kleinbus des CVJM Mühlhausen benutzt werden. Doch mit sechs Personen sei das Fahrzeug voll ausgelastet.

Wird zum Beispiel – wie letzte Woche – ein Kind krank, müssen die Betreuer schnell handeln. Ein allergischer Schock führte bei einer Siebenjährigen zu Schwellungen im Gesicht. Der gerufene Notarzt habe sie zwar versorgt, konnte das Kind aber nicht mitnehmen. Es sollte am nächsten Tag vom Bereitschaftsarzt weiter behandelt werden.

Eine Fahrt, die Angela Geier mit dem eigenen Auto unternahm. Immer dabei ist Irina Boleks, die seit langem in Wachenroth lebt. Als Dolmetscherin ist die Russlanddeutsche bei nahezu allen Einsätzen dabei.

Boleks ist es ein Anliegen, allen zu danken, die so reichlich gespendet haben. Eine Gruppe von fleißigen Helfern habe die vielen Sachspenden vorsortiert und geordnet. „Die haben sich richtig reingehängt“, sagt sie. Die Spenden lagern jetzt auf der Bühne der Ebrachtalhalle, die von der Gemeinde als Kleiderkammer zur Verfügung gestellt wurde.

„Wir benötigen dringend Unterstützung und möchten den Helferkreis erweitern und neu strukturieren“, sagt Richard Simmet. Mitarbeit werde in vielen Bereichen benötigt: Beim Übersetzen, bei Fahrdiensten zu Behörden oder Ärzten, bei der Koordination von Unterkünften und Wohnraum, in der Kleiderkammer, beim Deutschunterricht und der Öffentlichkeitsarbeit.

Patenschaften als Ideallösung

„Die Ideallösung wäre, wenn eine deutsche Familie eine Patenschaft für eine ukrainische übernehmen würde“, sagen die Ehrenamtlichen. Wichtig wäre auch eine Regelung für notwendige ärztliche Behandlungen. Ein praktizierender Arzt, der ins Haus komme oder eigene Sprechstunden anbiete, wäre eine echte Hilfe.

„Wir möchten auch Öffnungszeiten für die Kleiderkammer einrichten. Aber da brauchen wir Leute zur Mitarbeit.“ Sollten die Kinder nach Ostern in die Schule kommen, brauche es Hausaufgabenbetreuung und Deutschunterricht.

Neben weiteren ehrenamtlich Engagierten wird finanzielle Unterstützung und Wohnraum für ganze Familien benötigt. Vermieter von Privatunterkünften bekämen übrigens Miete.

„Die Dankbarkeit, die wir bisher von den Menschen erhalten haben, lässt uns weitermachen, obwohl wir an unserer Belastungsgrenze angekommen sind“, sagt Simmet. Dass eines Tages auch die Helfer selbst psychologisch betreut werden müssen, hält er nicht für ausgeschlossen.