Die Adidas-Mitbegründerin Käthe Dassler wurde 1917 in der deutschen Schuhmetropole Pirmasens geboren. Das dortige Stadtarchiv sucht Zeitzeugen, Dokumente und Leihgaben zum Leben und Wirken der „Grande Dame“ der internationalen Sportartikelindustrie .

Mit der Umbenennung soll die eindrucksvolle Lebensleistung der 1984 gestorbenen Unternehmerin gewürdigt werden. An der Seite ihres Mannes begleitete Käthe Dassler den Aufstieg der Marke Adidas von der Neugründung im Jahr 1949 bis hin zur Weltmarktführerschaft. Unter ihrer Ägide wuchs der Umsatz bis Mitte der achtziger Jahre auf 3,7 Milliarden Mark. In den damals 17 Fabriken, darunter die Werke im südwestpfälzischen Wallhalben (540 Beschäftigte), Hettenhausen (200) und im französischen Dettwiller (500), wurden täglich 280 000 Paar Schuhe produziert.

In zwei Projektwochen gehen die Schüler der Kirchberg-Realschule Plus (Pirmasens) auf Spurensuche. Entstehen sollen unter anderem ein digitaler Stadtrundgang sowie Zeitzeugen-Interviews. Außerdem sollen die vielfältigen wirtschaftlichen Verflechtungen des fränkischen Weltkonzerns Adidas mit Pirmasens aufgezeigt werden.

Auch die Firmengeschichte von Adidas in der Südwestpfalz soll innerhalb der Ausstellung beleuchtet werden. In Wallhalben betrieb das Unternehmen mit Stammsitz im fränkischen Herzogenaurach ab den sechziger Jahren ein Werk mit rund 600 Mitarbeitern. Täglich wurden 2500 Paar Adiletten und 5000 Paar Sportschuhe produziert. Später expandierte Adidas nach Hettenhausen. Dort übernahm der Sportartikelhersteller die frühere Schuhfabrik Mattil und beschäftigte im Zweigwerk weitere 200 Stepperinnen.

Zeitzeugen und Dokumente gesucht

Das Stadtarchiv sucht Zeitzeugen, die bei Adidas gearbeitet haben und die Zweigwerke in der Pfalz und/oder im französischen Dettwiller (Département Bas-Rhin) regelmäßig besucht haben. Gesucht werden auch Zeitungsausschnitte, Fotos und Super-Acht-Aufnahmen jener Jahre. Gefragt sind ferner persönliche Erinnerungen an Begegnungen mit Käthe Dassler, deren „Pfälzer Quetschekuche“ auch in Franken offenbar legendär war.

„Wir freuen uns auf Unterstützung aus Herzogenaurach . Helfen Sie uns, ein Stück bewegter Sport-Schuhgeschichte zu beleuchten und für die Nachwelt zu erhalten“, hofft die Pirmasenser Stadtarchivarin Heike Wittmer auf interessante Begegnungen und Schätze. Sie ist unter der Rufnummer 06331/842832 oder per E-Mail an archiv@pirmasens.de zu erreichen.

Hintergrund

Die Firmen- und Familiengeschichte der Firma Adidas ist eng mit Pirmasens verknüpft. Als ältestes von sechs Kindern der Familie Martz erblickte Katharina Maria am 17. Juli 1917 in Pirmasens das Licht der Welt. Adolf Dassler , seinen späteren Mann, lernte das aufgeweckte blonde Mädchen im Jahr 1932 kennen. Damals hatte der Franke seinen ersten spikebesetzten Laufschuh gefertigt und zusammen mit seinem Bruder Rudolf am 1. Juli 1924 eine eigene Firma gegründet – in der Wäscherei der Mutter.

Aber Adi wusste: Ohne perfekten Leisten kein perfekter Schuh! Um sein Wissen zu vertiefen, schrieb er sich 1932 an der Deutschen Schuhfachschule in Pirmasens ein, jener renommierten Einrichtung, wo Käthes Vater Franz unterrichtete. In dessen Leistenwerkstatt, aus der die heute international operierende Framas-Gruppe hervorgegangen ist, holte sich der Sportschuhpionier aus Herzogenaurach den letzten Schliff – und fand auch sein persönliches Glück.

Auch wenn die Eltern zunächst gegen die Liaison sind, Käthe – damals gerade 17 Jahre alt – und Adi werden ein Paar und schließen am 17. März 1934 im Pirmasenser Standesamt den Bund fürs Leben. Zurück in Franken übernimmt die Pirmasenserin erste Aufgaben in der Schuhfabrik Gebrüder Dassler (GeDa). Es sind die Pionierjahre, die Zeit vor den Olympischen Spielen in Berlin, in deren Umfeld die ungleichen Brüder mit ihrer gemeinsamen Schuhfabrik die ersten großen Erfolge feiern können. Der US-amerikanische Leichtathlet Jesse Owens holte damals in Dassler-Schuhen mehrere Goldmedaillen – was den Brüdern von den Nazis sehr übel genommen wurde.

„Käthe“ ist nicht nur Adis große Liebe, sondern auch ein idealer Teamplayer. Als starke junge Frau hält sie ihrem Mann den Rücken frei, und Adi kann sich ganz auf die Entwicklung, das Testen und die Fabrikation seiner Sportschuhe konzentrieren. Eine große Stütze an Käthes Seite ist ihre Schwester Marianne Hoffmann, die 1952 in die Firma eintrat und später 33 Jahre als Prokuristin wirkte. Die beiden starken Frauen kümmern sich gemeinsam um die wachsende Familie. Nach dem erstgeborenen Sohn Horst folgen die Töchter Ingeborg, Karin, Brigitte und Sigrid.

Nach dem Krieg trennen sich die Wege der Brüder . 1948 gründet Rudolf die Firma Puma, Adi geht mit Adidas seinen Weg. Wichtigste Verbündete: Ehefrau Käthe. Sie knüpft erste Kontakte zu Sportlern, den wichtigsten Werbeträgern der Drei-Streifen-Marke. „Die Chefin“, wie sie von der Belegschaft gerne genannt wird, ist die Seele des Betriebs, deren Rat und Erfahrung geschätzt wird. Ihre Führungsqualitäten rücken aber erst mit dem Tode ihres Gatten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Ab 1978 verantwortet sie als geschäftsführende Gesellschafterin der Adidas Sportschuhfabriken die Geschicke der Adi Dassler KG.

Soziales Engagement war ihr zeitlebens eine Herzensangelegenheit. So engagierte sie sich unter anderem für karitative Einrichtungen, Schulen und Sportvereine. Für ihre Verdienste wurde sie mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter dem Bundesverdienstkreuz und der Plakette des damaligen Landkreises Pirmasens. Herzogenaurach und die Universität Erlangen verliehen Käthe Dassler die Ehrendoktorwürde. Die „Grande Dame“ erlag in der Silvesternacht 1984 einem Herzinfarkt.

Alle gelebten Ideale und Werte Käthe Dasslers sollen als Vorbild für die Schüler der künftigen Käthe-Dassler-Realschule plus Pirmasens dienen und sie fit für das weitere Leben machen.