Nur eine Frau darf ein Schiff taufen. Sie darf nicht rothaarig sein und nichts Grünes am Körper tragen – Zweiter Bürgermeister Reiner Braun kannte sich aus mit den Gesetzen der Seefahrt . Denn in der Wachenrother Kita „Villa Kunterbunt“ galt es, ein Piratenschiff zu taufen.

Schiffspatin Birgit Malzer vom Kita-Team war weder rothaarig noch hatte sie etwas Grünes am Leib, als sie das Schiff taufte. Die Kinder verrieten den Namen ihres neuen Abenteuerspielplatzes: „Mississippi“ soll das Schiff heißen, das im Garten der Einrichtung vor Anker gegangen ist. Wenn es denn einen Kapitän gab, dann war dies Benedikt Murk, der auf seinem Schifferklavier Shantys , wie das von dem betrunkenen Seemann, spielte.

„Verborgene Schätze finden, die weite Welt bereisen.“ Die Worte von Kita-Leiterin Christin Schütze regten die Fantasie der Kinder wohl ebenso an wie ihre Verkleidung als Matrosen und Piraten.

Eine wichtige Rolle bei der Schiffstaufe spielte Martina Dresel. Die junge Mutter aus Kleinwachenroth erzählte die „Geschichte der Mississippi“ von Anfang an. Bei einer Sitzung des Elternbeirats sei die Idee entstanden. „Wir hatten ein bisschen Geld zusammen und überlegten, was wir damit tun können.“ Ein Piratenschiff für die Kita – das wär’s. Aber das sei nicht zu bezahlen. Die Eltern gingen von etwa 40 000 Euro aus.

Martina fragte ihren „Lieblingshandwerker“, ihren Mann Andi, einen gelernten Zimmermann. „Es war eine Herausforderung“, sagt sie rückblickend. Zum Glück gab es ihre Freunde von der „Kleinen Dorfmusik“ in Wachenroth . Vom ersten Baumstamm an über das Sägen, Schrauben bis zum Streichen wurde das Schiff selbst gebaut.

Es sei kein Spaß gewesen, angesichts der Vorschriften hinsichtlich Materialien, Höhen, Tiefen und Abstände, erzählt Dresel. Aber dann wären „viele positive Rückmeldungen von Unterstützern und privaten Spendern gekommen“ und hätten ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Ortsansässige Firmen unterstützten das Projekt mit Sachspenden. Bis zur Fertigstellung wurden 450 Arbeitsstunden in das soziale Projekt investiert. „Es war anstrengend“, sagt Martina Dresel.

Im Mai 2020 sollte das Piratenschiff vor Anker gehen. „Dann kam Corona!“ Doch das war nicht ausschlaggebend: „Wir sind stolz auf so viel Hilfsbereitschaft“, sagte Zweiter Bürgermeister Braun bei der Einweihung. Alle Sicherheitsvorkehrungen seien eingehalten und das Schiff sei vom Tüv abgenommen worden.