Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Rauchen noch nicht so verpönt wie heute. Früher wussten die Menschen auch weniger über die gesundheitlichen Folgen des Zigarettenkonsums, und der Tabakanbau war auch in Franken eine lohnende Einnahmequelle.

Mit den Reisen des Columbus (seit 1492) sind die ersten Tabakpflanzen und der Tabak nach Europa gekommen. Die Geschichte erzählt, dass man seit dem 16. Jahrhundert eine Pflanze namens „Nicotiana“ in Nord- und Südamerika zu Heilzwecken angebaut hat. Ihr Genuss hat angeblich geholfen, Schmerzen zu lindern, und sie wurde angewendet, um Geschwüre und die Müdigkeit zu vertreiben. Die Eingeborenen schworen darauf, dass Tabak auch gegen Schlangenbisse hilfreich sein kann.

Die Nase voll

So hat man denn auch Tabak geraucht oder durch die Nase inhaliert, also geschnupft. Der französische Gesandte in Portugal mit dem Namen Nicot (vgl. Nikotin ) hat das fein geschnittene „Zeug“ mit in seine Heimat gebracht. Ob das Ganze tatsächlich eine Heilung erzielt hat und wogegen das alles geholfen hat, wird nicht beantwortet. Es ist anzunehmen, dass das genannte Prozedere eher eine lästige, sprich „süchtige“ Angelegenheit war. Wer stopft sich schon freiwillig die Nase voll und warum?

Aus der Zeit des 30-jährigen Krieges wird berichtet, dass sich die Landsknechte angewöhnt hatten, Tabak in Pfeifen zu rauchen anstatt wie teilweise üblich Tabak zu kauen. Im Orient galt das „Tabaktrinken“ mittels Wasserpfeifen übrigens als entspannend. In Stress-Situationen soll der Konsum gewachsen sein, so wird erzählt.

Und während der Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts gab man den kämpfenden Truppen Zigaretten ; die einen rauchten in Gefechtspausen, um sich zu beruhigen, andere der Anspannung wegen und wieder andere aus Überdruss oder Langeweile. Fakt ist: Das Rauchen wurden besonders in Kriegszeiten zu einem „lästigen Übel“ und wohl gar ein Zeichen von Männlichkeit. Vor allem im Ersten und dann im Zweiten Weltkrieg gehörten Tagesrationen jener Glimmstängel zur allgemeinen Versorgung – die Zigarette wurde zu einem Massenphänomen und letztlich in Notzeiten sogar zu einer Art „Ersatzwährung“.

Letzteres kennen wir noch aus den Kriegs- und Nachkriegsjahren , aus der sogenannten „schlechten Zeit“. Deutschland und die Niederlande wurden schließlich die größten Anbaugebiete für Tabak, gefolgt von den USA. In Franken kannte man aufgrund von geografischen und klimatischen Voraussetzungen den Tabakanbau besonders im Nürnberg-Fürther Umland, dem „Knoblauchsland“. Bis vor wenigen Jahren hingen in großen, lang gestreckten Hallen oder Zelten die Tabakblätter zum Trocknen. Entlang der Stadtautobahn im Raum Nürnberg-Fürth konnte man das noch vor einigen Jahren sehen.

Die Stadt wollte mitverdienen

In Herzogenaurach ist Tabakanbau seit dem Ende des 30-jährigen Krieges belegt. Nach Unterlagen im Heilig-Geist-Spital musste der hiesige Pfarrer 1655 den Tabakzehnt (Steuer) einsammeln, dann aber wieder an das Spital herausgeben, weil diesem durch das Anpflanzen von Tabak anstelle von Getreide erhebliche Einbußen entstanden (1697). Zwei Jahre später wollte der hiesige „Bürger und Spielmann“ Martin Schiller seinen Sohn aus Würzburger Diensten freikaufen, und zwar mit dem Geld, das er durch den Verkauf von „Tuback“ erzielt hatte.

Das Geschäft mit Tabak blühte im 18. Jahrhundert. 1704 beschloss der Herzogenauracher Stadtrat, dass der „Taback“ auf hiesiger Waage „abgewogen“ wird, damit der Stadt nicht das „Wiegegeld“ entgehe. Drei Jahre später mussten die Tabakhändler die Hälfte des Wiegegelds nachbezahlen, weil sie versucht hatten, Tabak aus der Stadt zu schmuggeln. Und 1709 muss die Tabakernte so groß gewesen sein, dass man in der „ganzen Stadt die Heranzucht der Tabakpflanzen in Kästen betrieb“. Doch dagegen erließ der Bürgerrat der Stadt Einspruch, der jedoch ergebnislos verpuffte, „zumalen schon viele der Kästen im Städtlein vor den Fenstern und Häusern sich befänden und endlich ein Recht daraus würde“. 1710 wurde sogar der Rathausboden zum Aufhängen von Tabak vermietet, so sehr hatte sich der Anbau in und um die Stadt ausgebreitet und offensichtlich auch finanziell gelohnt, weniger wohl zum Eigenverbrauch denn zum Verdienst.

Auch im Zweiten Weltkrieg und in den Nachkriegsjahren hat man Tabak „schwarz“, also verbotenerweise, angebaut. In manchen Innen- und Hinterhöfen, im Schuppen oder in der Scheune waren Tabakblätter zum Trocknen aufgehängt. Wenn sie eine bräunliche Farbe angenommen hatten, mussten die Blätter vom Strunk (dem Stängel) getrennt werden, damit sie „ausreifen“ konnten. Manche Raucher waren im Besitz einer kleinen Schneidemaschine, mit der man den „Feinschnitt“ hergestellt hat, der dann je nach Stärke in die Pfeife gestopft, zu Zigarren oder mittels eines dünnen Zigarettenpapiers und oftmals eines kleinen Wickelapparats zum neuen Glimmstängel gedreht wurde. Das Zigarettenpapier kostete pro Packung mit 30 oder 40 Blättchen 20 Pfennige, und wenn der Papiervorrat zu Ende ging fand man ein rosa Blättchen mit der Aufschrift „nur noch zehn kannst Du Dir drehn, drum rat´ ich Dir, kauf Efka-Papier!“ Alle Jugendlichen in den von US-Soldaten besetzten Gebieten (auch in Herzogenaurach ) machten sich einen Sport daraus, die Kippen von den Ami-Zigaretten zu sammeln. Sie wanderten in die Blechdose, die man in der Hosentasche mit sich trug, und zu Hause fand man beim Großvater, Vater oder dem Patenonkel dankbare Abnehmer, denn drei Zigaretten kosteten in der „schlechten“ Zeit bis in die 50er Jahre 30 Pfennige. Übrigens kannte man damals auch den „Kippen-Willi“, der seinen Namen daher hatte, dass er wohl der bekannteste Kippensammler vor Ort war.