Am Sonntag, 23. Januar, wird um 17 Uhr in der Herzogenauracher Stadtpfarrkirche das Fest des Stadtpatrons Sebastian mit einem Gottesdienst feierlich begangen. Festprediger ist der ehemalige Herzogenauracher Kaplan Daniel Bittel. Die geplante Prozession muss coronabedingt ausfallen.

Es war eine andere Pandemie, auf die das Patronat zurückgeht: Im Jahre 1496 wurde die Pfarrei von einer fürchterlichen Pest heimgesucht. Täglich wurden mehrere Leichen zu Grabe getragen und der Tod drohte die Pfarrei völlig zu entvölkern. Da nahm die Bürgerschaft ihre Zuflucht beim heiligen Sebastian, errichtete zu seiner Ehre einen Altar in der Kirche, und trat in ein Heiliges Bündnis ein.

Im Jahr 1670, unter Pfarrer Johann Georg Ruppert, erhielt diese fromme Anstalt die bischöfliche Bestätigung. Seit diesem Jahre wurde eine Totenmatrikel über die Angehörigen der Bruderschaft angelegt, und zwar mit dem barocken Titel „Sanct Sebastians Bruderschaft Todtenbuch in welchem aller Abgestorbenen Brüder und Schwester Nahmen zu finden. Angefangen den 20. Monattag January A° 1671“.

Beichtväter kosteten Geld

1699 wurde dann begonnen, alljährlich gesonderte Rechnung hierüber zu führen. Die Kosten wurden durch die Beiträge der Mitglieder bestritten. Weitere Einnahmen kamen aus dem Verkauf von Bruderschaftsbüchern, den Beiträgen der Angehörigen und sonstigen freiwilligen Gaben am Feste des Heiligen, ferner aus den Einkünften durch Opferstock und „Klingelsäcklein“. Der Bruderschaft floss zudem der Sammelertrag an den Festtagen Mariä Lichtmess, Mariä Heimsuchung, Mariä Himmelfahrt, Mariä Geburt, am Rosenkranzfest und am Fest Mariä Empfängnis zu.

Es fielen aber auch Ausgaben für die Bruderschaft an. So mussten einige Tage vor den Festtagen um den 20. Januar Verkündigungszettel in die umliegenden Ortschaften getragen werden, die nicht mehr zur Pfarrei zählten, und zwar bis nach Höchstadt und Etzelskirchen. Auch die Geistlichen Herren von auswärts, die etwa zum Hören der Beichte hier tätig waren, mussten für zwei Tage entschädigt werden. Den größten Teil davon trug jedoch die Kirchenverwaltung.

Das Vermögen wächst

So wurden im Jahre 1715 sieben Geistliche erwähnt, die in Herzogenaurach Beichte hörten. Es waren Karmeliten aus Bamberg, Kapuziner aus Höchstadt und Franziskaner aus Forchheim. Einen ziemlichen Aufwand beanspruchte die öffentliche Prozession. Sowohl während des Gottesdienstes als auch zur Prozession musizierten die Türmer von Höchstadt. Lediglich 1715 und 1718 werden auch die Türmer von Bruck als Musikanten erwähnt. Während des Hochamtes wurden an diesem Tage vor der Kirchentür drei Böllerschüsse abgegeben und es paradierte eine Abteilung Bürgerwehr vor dem Altar .

Mit der Zunahme der Mitglieder und ganz besonders auch durch Vermächtnisse wuchs das Vermögen der Bruderschaft und es konnten verschiedene Reparaturen und Neuanschaffungen von Inventarien vorgenommen werden. 1710 ließ Hans Steeger, der damals Bruderschaftspfleger war, die Bilder der Heiligen Maria Magdalena , Sebastian und Maria in Erlangen malen, die bei Leichenbegängnissen von Bruderschaftsmitgliedern an das Bahrtuch gehängt wurden.

1719 wurde das alte Altarbild an den Schuhmacher Hans Ziegler für 48 Kreuzer verkauft. Es wurde nun eine neue Statue angeschafft, die jetzige, deren Kosten 12 Gulden und 50 Kreuzer für den leider nicht genannten Maler und Bildhauer in Bamberg betrugen. Dank einer Kollekte, die Johann Welker, Ratsbürger und Gotteshauspfleger veranstaltete, wurde das Geld aufgebracht.

Erst drei Jahre später, 1722, wurde ein neuer Altar von Bamberg herausgeschafft, den der Schreiner Welker und der Bildhauer Gollwitzer aus Bamberg fertigten. Das Laubwerk an den Kapitellen fertigte der Bildhauer Martin Mender aus Herzogenaurach . Zur Vergoldung des Altares wurde eine große Kollekte abgehalten, so dass die Arbeiten um den Altar im Jahr 1728 abgeschlossen werden konnten. Der Kunstmaler Johann Fischer aus Erlangen vergoldete den Altar , wofür er 95 Gulden erhielt. Er beklagte sich aber, damit einen Verlust gemacht zu haben, und bekam deshalb von der Bruderschaftskasse noch neun Gulden.

Die Sebastiansstatue in der Mitte des Altars wurde rechts von Kardinal Karl Borromeo und links vom heiligen Rochus, ebenfalls einem Pestheiligen, flankiert. Ein Schild mit dem Heiligsten Herzen Jesu an der Spitze des Altars hielten zwei Engel.

1766 wurden zwei neue, mit Samt überzogene und mit Gold gefasste Pyramiden von Maler Franz Eugen Steinherr aus Herzogenaurach angefertigt, worin an hohen Festtagen die Reliquien des heiligen Sebastian auf dem Altar ausgestellt wurden.

Nur die Statue bleib übrig

In den Wirren der Napoleonischen Zeit um 1800 gingen die finanzielle Ausstattung und die Kostbarkeiten der Bruderschaft verloren. Bedauerlicherweise wurde auch der Altar 1902 abgebrochen und mit unbekanntem Empfänger verkauft, so dass lediglich die Statue des heiligen Sebastian aus übrig blieb. 1935 wurde sie in den neu geschaffenen jetzigen Altar eingefügt, der eine Kopie eines Altars aus Pettstadt ist.

Früher war der 20. Januar, der Tag des hl. Sebastian, in Herzogenaurach sogar ein lokaler Feiertag. Gottesdienste mit auswärtigen Predigern und Beichtgelegenheiten prägten diesen Festtag des Herzogenauracher Stadtpatrons.