Die Veranstaltungsreihe „Kultur in der Alten Synagoge Mühlhausen “ endete am Wochenende mit einem Erzählabend und einem Konzert jüdischer Instrumentalmusik aus Renaissance und Barock . Beide Events waren hochkarätig besetzt und stellten unter Beweis, dass sich das historische Gebäude hervorragend als Kultursaal eignet.

„Jüdische Märchen und Legenden“ standen zunächst auf dem Programm, dargeboten von Iris Frick (Erlangen), Annette Martin (Bad Kissingen) und Susanne Becker-Plätzer (Höchstadt), die alle drei in der Europäischen Märchengesellschaft aktiv sind. Dort versucht man, bei der Vermittlung von Märchen und Sagen die uralte mündliche Erzähltradition aufrechtzuerhalten. Folglich wurden die Geschichten zwar im originalen Wortlaut, aber dennoch völlig frei erzählt. Dabei entstand eine äußerst dichte Atmosphäre zwischen den Erzählerinnen und dem Publikum, welche die erzählten Geschichten sehr lebendig werden ließ. Der Bogen reichte von Sagen über alttestamentarische Figuren über Geschichten von chassidischen Rabbis aus dem Ostjudentum bis zu komischen Erzählungen , in denen sich jüdischer Witz und Weisheit zeigen durften.

Ein Reisebericht als roter Faden

Zwei Harfinistinnen, Angela Hammer und Angelika Glückert, betteten die Erzählungen mit jüdischen Liedern und Tänzen einfühlsam in einen musikalischen Rahmen. Eindrucksvoll war es, den früheren Synagogensaal zum ersten Mal am Abend erleuchtet zu erleben.

Tags darauf konzertierte die Gruppe Simkhat Hanefesh in der Synagoge . Die fünf professionellen Musiker stellten ein Programm aus wiederentdeckter jüdischer Musik aus Renaissance und Barock vor. Den roten Faden bildete dabei der Reisebericht des Abraham Levie, der von 1719 bis 1723 von Schnaittach aus nach Frankfurt, Worms, Prag und Wien, von dort durch Norditalien bis Rom und schließlich zurück nach Norden bis Amsterdam unterwegs war. Präsentiert wurden jiddische Lieder und Instrumentalmusik , die mit den jeweiligen Orten in Verbindung standen. Zwischen den einzelnen Stücken wurden Auszüge aus dem jiddischen Reisebericht in deutscher Übersetzung vorgelesen.

Beeindruckend war es, die historische Musik im barocken Synagogenraum, der etwa aus derselben Zeit stammt, zu hören. Wer meinte, Musik aus dem 18. Jahrhundert sei vor allem ernst und etwas steif, wurde überrascht von dem frischen und lebendigen Spiel, das ungeahnt modern wirkte und durchaus in die Beine ging.

Lust auf mehr

Die Veranstaltungen, die der Verein Forum Alte Synagoge Mühlhausen im Rahmen des bundesweiten Jubiläumsjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ durchführte, machen Lust auf mehr.

Es ist zu wünschen, dass die Sanierung des Gebäudes bald gelingen möge, damit in diesem besonderen Raum häufiger Kulturveranstaltungen dieser Qualität stattfinden können. red