Die Empörung über das Vorgehen des Landratsamtes zu einem Bauantrag war in der Sitzung groß: Die Behörde hatte der Gemeinde mitgeteilt, sie würde das zu einem Bauantrag verweigerte Einvernehmen der Gemeinde „ersetzen“, falls die Räte sich nicht anders entschieden.

Zur Vorgeschichte: Einer der ersten Bauherren im neuen Baugebiet „Hüttenfeld“ hatte sich mit seiner Planung hinsichtlich der Grundflächenzahl nicht an die Festsetzungen des Bebauungsplans gehalten. Das geplante Vorhaben – ein Wohnhausneubau mit sechs Wohneinheiten und zehn Stellplätzen – überschreitet diese um 23 Quadratmeter.

Der Bauherr hatte daher um eine Befreiung nachgesucht. Die Räte hatten daraufhin – durch mehrheitlichen Beschluss – das Einvernehmen nicht erteilt. Das Landratsamt sah hingegen „nur eine geringfügige Überschreitung“, die man tolerieren könne. Die Gemeinde solle noch einmal über die Planung beraten.

„Wir haben einen neuen Bebauungsplan und sollen jetzt schon wieder Befreiungen erteilen“, war der allgemeine Tenor im Gremium. Das könne wieder „einen Rattenschwanz“ weiterer Befreiungen nach sich ziehen. Verärgert waren die Räte auch, „dass das Landratsamt uns vorschreibt, was wir zu machen haben“. Wie äußerst genau die Behörde in anderen Dingen ist, wurde dagegen gehalten: „Wenn bei einem Bebauungsplan bloß ein Komma fehlt, wird schon nachgehakt.“ Mehr resigniert als zufrieden beugte sich am Ende die Mehrheit der Räte der Aufforderung des Landratsamtes. Bei vier Gegenstimmen wurde das Placet zur Planung erteilt.