Herzogenaurach  —  „Die Kinder sollen sich bei uns angenommen und zu Hause fühlen. Nur dann können sie sich entfalten und optimal weiterentwickeln“, sagt Henning Kraetsch, Pädagogischer Leiter der Kindertagesstätte St. Otto zum Beginn der Eingewöhnungszeit. Denn für Kleinkinder ist der Übergang von der Heim- in die Fremdbetreuung eine sehr sensible Zeit. Die Kinder sind das erste Mal von Mama und Papa getrennt. Sie müssen Vertrauen zu einer neuen Bezugsperson aufbauen und sich an das Miteinander mit den anderen Kindern gewöhnen. So ist die Eingewöhnung in die Kita für beide Seiten ein Abnabeln und in enger Zusammenarbeit mit den Eltern bemühen sich die pädagogischen Fachkräfte um den Kindern einen sanften Einstieg in die Kindertagesstätte zu ermöglichen.

Wenn im Spätsommer das neue Kita-Jahr startet, beginnt für viele Kinder und Eltern eine aufregende, manchmal auch schwierige Zeit. Denn niemand wünscht sich ein weinendes Kind beim Abschied. Für einen gelungenen Start in der Kita oder Krippe ist daher eine gute Eingewöhnungsphase wichtig. Dies geschieht in diesen Tagen auch bei 21 Kita- und zehn Krippenkindern in der Kindertagesstätte St. Otto.

Am ersten Tag gab es für die über 74 Kinder der Kindertagesstätte und ihre Erzieherinnen erstmal rote Nasen. Denn die Leitung der Einrichtung wird mit den Kindern jeden Tag eine Aktion starten, und los ging es eben mit der „roten Nase“. „Ich nenne das Event-Days und wir wollen mit den Aktionen das Gemeinschaftsgefühl stärken. Umso besser die Eingewöhnung läuft, umso wohler fühlen sie die Kinder und Eltern“, berichtet der pädagogische Leiter. So gibt es jeden Tag ein neues „Event“ und verschiedene Spiele, gemeinsames Kochen sowie auf der pädagogischen Ebene Lieder und Bücher und Basteln.

Der Schmerz der Trennung

Deshalb darf und soll während der Eingewöhnungszeit an den Vormittagen auch ein Elternteil mit anwesend sein. Denn die Eingewöhnung ist der erste wichtige Schritt für die Kinder und die Eltern zu Beginn ihrer Kindergartenzeit. Ein guter Start erleichtert den Kindern und den Eltern die Trennung und Loslösung voneinander. Das Kind erlebt oft das erste Mal in seinem Leben den Schmerz der Trennung von den Eltern.

Für das Kind bedeutet der Besuch des Kindergartens , sich zurechtfinden zu müssen in einer fremden Welt mit fremden Menschen. Das sind hohe Anforderungen an ein Kind, die Stress erzeugen können. Kinder sind durchaus in der Lage, diese Situation zu bewältigen, sie brauchen dazu jedoch unbedingt die Begleitung durch eine ihnen vertraute Person. Erst wenn das Kind eine Bindung zu seiner Erzieherin aufgebaut hat, die ihm in dieser wichtigen ersten Zeit zur Verfügung steht, kann die begleitende Person das Kind mehrere Stunden am Tag zur Betreuung im Kindergarten lassen.

„Wir wollen den Kindern ein Begleiter sein, der unterstützend zur Seite steht, wenn er gebraucht wird. Denn wir wollen unseren Kindern den Weg bereiten, untereinander in Beziehung zu treten. Sie sollen Gefühle und Wünsche äußern können, Konflikte lösen können und sich selbst organisieren können“, sagt Henning Kraetsch. Denn die Kinder sollen offen werden fürs Leben. Denn in den ersten Jahren des Lebens werden die Weichen gestellt, die darüber entscheiden, wie der Mensch mit Stress und Herausforderungen umgehen kann.

Bildungs- statt Gruppenräume

Um den Kindern in der Kindertagesstätte St. Otto einen Lebens- und Lernraum zu bieten, indem es sich wohlfühlt und sich entfalten kann, wurde zusammen mit den Eltern ein neues Konzept entwickelt. So gibt es in der Einrichtung keine Gruppenräume mehr, diese wurden in Bildungsräume umfunktioniert. So wurde ein Bau- und Konstruktionsraum, eine Werkstatt und ein Bistro sowie eine Lernwerkstatt für die Vorschulkinder eingerichtet.

Ergänzt wird das Angebot mit einem Rollenspielraum, Bibliothek , Kreativraum, Labor und weiteren Lernbereichen im weitläufigen Flur und zum Austoben stehen ein Bewegungsraum und der Garten zur Verfügung.

Das Kind wird ernst genommen

Nach dem Einzug der Projektarbeit in der Einrichtung werden durch Beobachten, Zuhören und die achtsame Begleitung der Kinder die Grundlagen für das Finden von Projektthemen geschaffen. Im Dialog mit den Kindern entsteht ein Thema, das sich durchaus zu einem kleinen oder größeren Thema entwickeln kann. Nicht die Erwachsenen geben vor, was gemacht wird, sondern das Kind mit seinem Thema wird ernst genommen.

Während des Pressetermins war aus den einzelnen Bildungsräumen Lachen, Kichern und Stimmengewirr ebenso zu hören, wie in einigen Ecken gespannte Stille herrschte. Vier Kinder hingen an den Lippen von Angelika Konrad. Die Erzieherin las aus dem Buch „Der Löwe in dir“, in dem beschrieben ist, dass klein zu sein nicht immer einfach ist. Wer könnte das besser wissen als die kleine Maus. Sie hat es satt: Immer wird sie von den anderen Tieren übersehen, geschubst und nicht ernst genommen. Gern wäre sie groß und stark wie der Löwe. Am Ende ihrer abenteuerlichen Reise macht die Maus eine Entdeckung: Man muss gar nicht groß und stark sein, um seine eigene Stimme zu finden.