Nach 190 Jahren schloss in Herzogenaurach die Beyschlag'sche Apotheke . Das Anwesen hat eine lange Geschichte.

Konrad Bedal, ehemaliger Leiter des Freilandmuseums Bad Windsheim, datiert das repräsentative Fachwerkhaus in die Zeit um 1550, das Giebeldreieck zur Hauptstraße hin wurde im 18. Jahrhundert erneuert.

Das Gasthaus zum "Schwarzen Bären

Im Anwesen war lange das Gasthaus zum "Schwarzen Bären" beheimatet. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war es im Besitz des Friedrich Welker, der dort um 1730 sein eigenes Bräuhaus einrichtete, und ging dann auf Philipp Welker über. 1771 heiratete dessen Witwe Konrad Hagen von der Eichelmühle, und nach kaum einjähriger Ehe 1772 Johann Michael Kurtz, der am 1. Oktober 1772 zum Bürger erklärt wurde.

1775 erwarb Bürgermeister Andreas Menschel das Haus für 2520 Gulden. Andreas Menschel der Jüngere führte ab 1784 die Wirtschaft. Er ließ am östlichen Eingang die Inschrift "17 A[ndreas] M[enschel] 86" anbringen.

Im Jahr 1792 erheiratete Philipp Thaler das Anwesen, 1804 war Philipp Menschel der Besitzer.

Die Gastwirtschaft bestand bis zur Einrichtung einer Apotheke durch Leopold Beyschlag am 3. Januar 1830. Dieser hatte zuvor die Löwenapotheke in Markt Erlbach und die Mohrenapotheke in Emskirchen betrieben.

Lange Zeit die einzige Apotheke

Beyschlag setzte sich mit seiner Apotheke gegen die ursprüngliche Einschätzung der Regierung des Rezatkreises (jetzt Mittelfranken) in Ansbach durch, die Bedenken hatte, bei der Nähe Herzogenaurachs zu Erlangen eine Apotheke einzurichten. Über viele Jahre war es die einzige Apotheke in Herzogenaurach , die von Kunden aus dem ganzen Umland frequentiert wurde. 1849 ging das Geschäft an seinen Sohn Max über. Zusätzlich zur Apotheke wurde 1850 eine Poststation mit einer Telegrafenstation in dem Anwesen eröffnet.

Dessen Schwiegersohn , Hans Sehring, erwarb im Jahr 1902 die Firma von den Erben und bekam seine Konzession im Oktober 1902 erteilt. Nach dessen Tod wurde die Apotheke pachtweise von seinem Sohn Markus geführt.

Bei der Renovierung des Anwesens im Jahr 1936 ließ der damalige Besitzer Markus Sehring eine Inschrift anbringen: "Der Herr läßt die Arznei aus der Erde wachsen. Und ein Kluger verachtet sie nicht." Dabei handelt es sich um ein abgewandeltes Zitat aus dem alttestamentarischen Buch Sirach 38,4: "Gott bringt aus der Erde Heilmittel hervor, der Einsichtige verschmähe sie nicht."

Ein Nest für die Störche

Als die Mutter von Markus Sehring 1938 starb, ging die Konzession auf ihn über. 1945 wurde das Geschäft zunächst verpachtet, dann leitete die Witwe Sehrings übergangsweise die Apotheke , bis sie von ihrem Sohn Jörg 1955 übernommen werden konnte. Dieser ließ im Jahr 1969 das Gebäude umbauen. Seine Tochter Gabriele Sehring-Castelli führte die Apotheke 33 Jahre bis zu deren Schließung.

Das Haus beherbergte lange Jahre ein Storchennest, bis sich die großen Vögel aus Herzogenaurach zurückzogen. Nachdem 2014 ein Storchenpaar begonnen hatte, auf dem Kamin ein Nest zu bauen, erwies sich Gabriele Sehring-Castelli als Storchenliebhaberin und ließ im April 2014 unter der Anleitung von Edmund Lenz eine Holzkonstruktion der Zimmerei Popp von der Dachdeckerfirma Scheer auf dem Satteldach auflegen, um darauf ein Nest für die Störche zu bieten. Das Nest wurde angenommen. Seitdem zieht alljährlich ein Storchenpaar Junge auf dem Dach der Apotheke groß.

190 Jahre war die Apotheke ein wichtiger Anlaufpunkt für die Herzogenauracher, davon 33 Jahre unter der Leitung von Gabriele Sehring-Castelli. Ende März 2021 schloss die Apotheke nun ihre Pforten. Es wird in Zukunft etwas fehlen im Zentrum von Herzogenaurach .