Zwei Tage länger Ferien - was für Kinder und Jugendliche zunächst verlockend klingt, ist für Eltern und insbesondere für Alleinerziehende eine Hiobsbotschaft. Selbst der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands zeigte sich kürzlich überrascht in einer Pressemeldung und betonte seine Skepsis. Zwei Tage länger Ferien - das ist nur ein weiterer Beweis für das hilflose und hektische Agieren der Länderregierungen in der deutschen Schulpolitik.

Wohin mit den Kindern, wenn die Eltern arbeiten müssen? Wenn sie Elektriker/-in, Verkäufer/-in oder Bäcker/-in sind? Womit den Nachwuchs beschäftigen, wie ihn betreuen? Selbst wer wie ich im Homeoffice bleiben kann, hat seine Not damit. Es schmerzt, dem Kind sagen zu müssen, dass es gerade jetzt nicht und auch die nächste Stunde nicht und eigentlich den ganzen Tag nicht stören soll. Wenn ich meine Betreuung darauf beschränken muss, einem Zwölfjährigen schnell etwas zum Lesen aufs E-Book zu laden und hektisch ein Mittagessen aufzuwärmen.

Die Notbetreuung für den Fall, dass die Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, trägt ihren Namen zurecht. Und stellen Sie sich einmal vor, es gibt eine Notbetreuung, und jeder geht hin? Dann könnte man genauso gut auch Unterricht halten. Wer sie nicht in Anspruch nehmen kann, bleibt mit seiner Not allein. Zu den Großeltern - glücklich, wer sie in der Nähe hat - sollen die Kinder ja auch nicht an diesen zwei Tagen.

In armen Ländern können Kinder nicht in die Schule gehen, weil ihre Eltern darauf angewiesen sind, dass jedes Familienmitglied so früh wie möglich zum Lebensunterhalt beiträgt. In einem der reichsten Länder der Welt wie Deutschland können Kinder nicht in die Schule, weil die Zuständigen versagt haben, die Schulen im Laufe des vergangenen Sommers so auszustatten, dass trotz Pandemie der Unterricht geregelt ablaufen kann. Es hätte Plexiglasscheiben zwischen den Sitzplätzen gebraucht und Webcams, damit der Unterricht notfalls auch von zu Hause aus verfolgt werden kann. Niemand kann heute mehr sagen, dass die zweite Corona-Welle überraschend kam. Führende Virologen haben sie monatelang angekündigt.

Immer wieder hat uns die Politik versichert, dass die Schulen unter den bislang geltenden Regeln keine Hotspots seien. Dennoch sollen sich die Schüler jetzt zwei Tage vor Weihnachten in eine Art freiwillige Quarantäne begeben.

Da wäre es nur folgerichtig, dass - wenn schon, denn schon - alle Arbeitnehmer zwei Tage Sonderurlaub an diesen zwei zusätzlichen Ferientagen bekommen - ähnlich finanziert wie Kurzarbeit. Ich höre schon wieder das Geschrei, was für betriebswirtschaftliche Folgen das haben würde. Aber für unsere Kinder sind schon allein beim letzten Lockdown nach meiner Berechnung, die sechs Stunden pro Tag voraussetzt, sage und schreibe 318 Unterrichtsstunden ausgefallen (ich lasse mich da gerne korrigieren, aber an der Tatsache, dass es sehr viele Stunden sind, ändert sich grundsätzlich nichts). Die mussten Eltern schon in diesem Jahr irgendwie überbrücken, und sie sind für die Kinder und Jugendlichen unwiederbringlich verloren. h.paulus@infranken.de