Die Theatergruppe Kasendorf präsentierte kürzlich bei einem Abendgottesdienst das Stück "Hiob". Das strenge Hygienekonzept der Kirchengemeinde und die große Kilianskirche ermöglichten zahlreichen Gästen die Teilnahme.

Katharina Hargens, Autorin des Stücks und Regisseurin, zeigte mit einer der ältesten Geschichten aus der Bibel die Aktualität der Fragen und Zweifel eines leidenden und glaubenden Menschen in unserer Zeit. Durch die Erzählerin (Annette Gerstenberger) konnte sie verschiedene Zusammenhänge verdeutlichen.

Karlheinz Bergmann spielte den Gott vertrauenden Hiob ein- und ausdrucksvoll als Spielzeugfabrikant mit seinen Reaktionen auf die schlimmen Hiobsbotschaften, sei es ein Versicherungsbetrug, der Brand seiner Fabrik oder der Tod seiner Familie durch einen rücksichtslosen Raser.

Seine vier Freunde Elifas, Zofar, Bildat (Bernadette Sauerschell, Falk Taubmann, Sabrina Hargens) zeigten sich bis auf Elihu (Susanne Schulze) zwar mit Anteilnahme, machten ihm aber letztlich mit ihren floskelhaften Sätzen und versteckten Schuldzuweisungen das Leben noch unerträglicher. In ihrem Gottes- und Menschenbild muss es einem Menschen, der Gott vertraut und sich an seinen Geboten orientiert, gut gehen. Aus ihrer Perspektive hat sich Hiob irgendwie schuldig gemacht.

Keiner Schuld bewusst

Hiob war sich keiner Schuld bewusst und unterstellte seinem Gott unbarmherziges Tun: "Wie kann Gott das zulassen?" Hiob hielt bei allem Schmerz an Gott fest, und Gott sprach mit ihm. Schemenhaft inszenierte Katharina Hargens Hiobs Begegnung mit Gott (in der Sprecherrolle Volkmar Schulze). Hiob bekam zwar keine Antworten auf seine Fragen, Gott zeigte sich als allmächtiger Schöpfer und Lenker mit tieferen und höheren Gedanken, als wir Menschen je begreifen können, und versicherte Hiob: "Auch wenn Du mich nicht hörst und siehst, ich bin bei Dir."

Das Technikteam (Tim Herzog, Sarah Stoffers) und das Musikteam (Carola Lipfert, Gitarre und Akkordeon, Rainer Friedmann, Gitarre, Irmela Rauh, Querflöte, Maria Rauh und Max Hacker, Gesang) untermalten die einzelnen Akte eindrucksvoll. Das letzte Musikstück mit seinen tänzerischen Rhythmen nahm die Gäste in die Feierstimmung hinein, nachdem sich Trost und Zuversicht bei Hiob wieder eingefunden hatten.

Mit kräftigem Applaus dankte die Gemeinde der Theatergruppe. Pfarrer Stefan Lipfert beendete das für sich selbst redende Stück mit Gebet und Segen. red