Zurücklehnen und genießen: Von den ersten Tönen der Brahms-Motette "Es ist das Heil uns kommen her" verstand es das Vokalensemble St. Dionysius Krefeld, die Zuhörer mit seiner herrlichen Musik zu fesseln und in den Bann zu ziehen. Die atemberaubenden Klänge mit geradezu meditativer Wirkung kamen direkt auf die Zuhörer zu, deren Herzen sich wie durch Zauberhand öffneten. Jeder Ton kam an, kein Laut verschwand - ganz leise, ganz behutsam!


Überwältigend

Hell strahlende Frauenstimmen und profunde Männerstimmen im Wechsel, bevor sie sich schließlich zu einem klangschönen, kraftvollen Ganzen vereinen - was die Sänger in dem Konzert boten, war schier überwältigend. Den Zuhörern, die der musikalischen Sternstunde mit offenen Augen und Herzen folgten, tat sich eine Welt der Entspannung und des Träumens auf - fernab von der Hektik und Anspannung des Alltags. Der tief ergreifende - voller Harmonie erklingende - Chorgesang vermochte es, Wellen der Begeisterung und Gänsehaut durchs Publikum strömen lassen: Gefühl im Überfluss. Der 1995 gegründete Chor unter Leitung von Andreas Cavelius zählt in aktueller Besetzung 30 Sängerinnen und Sänger. Das Ensemble versteht sich vor allem als Konzertchor mit hohem musikalischen Anspruch.
Seine hohe klangliche Qualität hat das Ensemble aber auch über Krefeld hinaus in Deutschland bekannt gemacht. Konzertreisen führten den Chor bereits unter anderem nach Freiburg, Kaiserlautern, Limburg, Tübingen, Trier, Saarbrücken und Koblenz - und nunmehr auch in unsere Region, wo am Samstag bereits ein Konzert in Coburg stattgefunden hatte. Auch in Kronach war der beim Chor- und Orgelkonzert kredenzte Bogen epochal weit gespannt. Das Ensemble erwies sich als überaus vielseitiger Chor, der sich präzise auf die Zeichen seines Dirigenten flexibel an das breite Stilspektrum anpasste. Es erklangen die Motetten "Salve Regina", "Ave verum corpus natum" sowie "Sub tuum praesidium" von Henri Carol (1910 - 1984), seinerzeit Domkapellmeister der Kathedrale von Monaco, sowie "Exultate Deo" und "Salve Regina" des französischen Neoklassizisten Francis Poulenc (1899 - 1963). Von diesem großen Komponisten des 20. Jahrhunderts stammt auch die A-cappella-Messe in G-Dur. Mit vokaler Brillanz und Einfühlungsvermögen stimmte das Ensemble dieses Chorwerk an - eines der technisch und musikalisch schwierigsten, aber auch schönsten, die in diesem Genre im 20. Jahrhundert zu Papier gebracht wurden.


Glanzlicht

Für ein Glanzlicht sorgte Andreas Cavelius an der romantischen Steinmeyer-Orgel der Christuskirche. In Kronach brachte er die atemberaubende melodische Schönheit des Barock in der "Canzona d-Moll" von Johann Sebastian Bach ebenso in Perfektion zum Klingen wie "Gloria in excelsis Deo" von Max Reger. Die Zuhörer ließen sich verzaubern von seinem famosen und glänzend beherrschten Spiel. hs