Bordsteinkanten, Türschwellen, Treppenstufen, hohe Türgriffe - für die meisten Menschen stellt nichts davon wirklich ein Problem dar. Oft wird aber vergessen, welche erheblichen Nachteile für einen Teil der Gesellschaft entstehen, wenn nicht barrierefrei gebaut wird. In der Mittelschule "Am Lauterberg" ist das anders: Dort wird niemand aufgrund baulicher Gegebenheiten im Gebäude ausgeschlossen. Deshalb ist die Schule jetzt mit dem Signet "Bayern barrierefrei" ausgezeichnet worden. Ein Zeichen dafür, dass die Einrichtung nicht nur auf einen Großteil der Menschen angepasst wurde, sondern auf alle, die dort lernen und arbeiten.

Bei der Mittelschule und der Gemeinde als Sachaufwandsträger haben sie sich schon vor geraumer Zeit dazu entschieden, diesen Schritt zu gehen: Ja zu sagen zur Inklusion. Ja zum Abbauen von Barrieren. Dass es dabei sowohl physische, aber auch um Barrieren im Kopf geht, wurde deutlich, als bei der Verleihung des Signets "Bayern barrierefrei" auch über die Erfahrungen, Schwierigkeiten und den Errungenschaften des Projektes gesprochen wurde. Schon seit Jahren praktiziert die Mittelschule in Lautertal im Zusammenschluss mit der Partnerschule in Coburg, der "Schule am Hofgarten", ein Inklusionskonzept. Bei diesem geht es um gemeinsame Wandertage oder Aufenthalte im Schullandheim, aber auch um eine integrative Klasse, bei der behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam zum Schulabschluss geführt werden.

Den Mehrwert, den die Zusammenarbeit der beiden Bildungseinrichtungen mit sich bringt, erkennt auch der Vorsitzende des Elternbeirats, Torsten Dohnalek: Es gehe natürlich darum, Wissen zu vermitteln und allen Schülern einen Abschluss zu ermöglichen - "aber mindestens genauso wichtig ist es, die sozialen Kompetenzen zu stärken." Mit den Kindern sei Inklusion sehr gut umsetzbar, denn sie seien unvoreingenommen, neugierig und hilfsbereit. Da sind sich die Direktorin der Schule, Ulrike Neidiger-Pohl, und Förderschul-Konrektor Holger Behr einig. Die Kinder ließen sich schnell aufeinander ein und profitierten voneinander. Neidiger-Pohl: "Wenn man sich die Klasse ansieht, merkt man erstmal gar nicht, welche Kinder Einschränkungen haben."

Bei der Sanierung der Schule wurde im vergangenen Jahr besonderer Wert auf den Ausbau der Barrierefreiheit gelegt. Vom Freistaat wurde das Projekt mit über einer Million Euro bezuschusst. Mit dem Geld wurden Barrieren abgebaut, die sonst den Schulalltag vieler beeinträchtigt hätten. So gibt es mittlerweile mehrere behindertengerechte Sanitäranlagen und die Türgriffe befinden sich auf einer Höhe, die von Rollstuhlfahrern problemlos erreicht werden kann. Besonders stolz ist Architekt Uli Müller auf den Aufzug, der in das bereits vorhandene Treppenhaus eingebaut wurde. Die ganze Planung habe viel Zeit und Mühen gekostet. Aber Müller ist froh, an diesem Projekt beteiligt gewesen zu sein.