H ast du einen guten Freund, mit dem du durch das Leben gehen kannst? Eine Freundin, die dich begleitet und dir beisteht? Der oder die mit dir durch dick und dünn geht?"
Die Frage meines Gegenübers klingt in mir nach. Wie beantworten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, diese Frage? Lebenserfahrungen, Gefühle mit einem Freund zu teilen, tut gut.
Ein Freund, eine Freundin können zwar das Schicksal nicht wenden, aber es hilft, dass ich erzählen kann, jemand mir zuhört, meine Situation versteht. Ein anderer Blick auf das Leben ergibt sich. Da muss ich nicht lange formulieren, überlegen, wie ich mich ausdrücke. Da ist Platz für das, was mich freut, ebenso wie für das, was mir manchmal Druck bereitet: "Verurteilt sein", "Liebe Menschen", "Angewiesen sein auf andere" und mehr.
Mit Blick auf den morgigen Palmsonntag und die Woche vor dem Osterfest mit ihren Ereignissen, die wir als Christen erinnern und feiern, fühle ich Freude und Zuversicht, dass in diesen Freundschaften auch die Freundschaft Gottes mit uns Menschen spürbar ist. Jesus, der Gottessohn, der in Jerusalem bejubelt wird, wird ein paar Tage später verraten, vorgeführt, verurteilt. "Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt" kann die Überschrift für dieses Wechselbad der Gefühle sein, das die kommenden Tage kennzeichnet.
Das Besondere daran ist, dass der Gottessohn Jesus eben nicht drübersteht, sondern als Freund der Menschen durch diese Höhen und Tiefen geht, es selbst erfährt und erleidet, was uns das Leben schwermacht, aber auch was uns Zuversicht schenkt. Die Kellergeschosse menschlicher Abgründe und Zweifel sind ihm vertraut. Ein offenes Wort, ein vertrauter Blick, eine freundschaftliche Geste - sie prägen seine Beziehungen zu den Menschen.
Ich wünsche Ihnen und mir einen Freund, eine Freundin, die mit uns das Leben teilt. Und ich lade Sie ein, in den kommenden Tagen bei den Gottesdiensten dem Freund Jesus zu begegnen.
Die Sinnzeit am morgigen Sonntag um 18 Uhr in der Pfarrkirche Knetzgau ist dazu auch eine gute Gelegenheit. Sie steht unter dem Thema "Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt".

(Johannes Simon,
Pastoralreferent, Knetzgau)