Cindy dötschel Kronach  — In Kiskunhalas, Kronachs Partnerstadt im Süden Ungarns, ist die Lage ähnlich wie in Deutschland. "Das Sportzentrum, die Stadtbibliothek, das Thermalbad sowie das historische Thorma-János-Museum und das Spitzenhaus sind momentan geschlossen", berichtet Bürgermeister Róbert Fülöp. Im Kulturzentrum finden Blutspendeaktionen statt.

Das Rathaus und das städtische Medienzentrum sowie die Stadtwerke und die Fernwärmeversorgung sind für die Bürger nur noch telefonisch oder per Mail zu erreichen. "Die Wohnversammlungen in unseren Hochhäusern musste ich absagen", räumt Fülöp ein. Der Unterricht an Kiskunhalas Schulen findet derzeit ausschließlich digital statt, jeder lernt von zuhause aus. "Unsere Kindergärten und unser ganztägiges Kinderpflegeheim arbeiten mit Einschränkungen - nur die Kinder, bei denen beide Elternteile in den Bereichen Strafverfolgung, Gesundheits - oder Sozialwesen tätig sind, werden betreut", erklärt Fülöp. Die Kinder dürfen nur gebracht werden, wenn sie sich zuvor nicht in einem Risikogebiet aufgehalten haben oder Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Derzeit werden 20 Kinder von den Einrichtungen versorgt.

In Kiskunhalas wird jeden Tag mit zehn Kleinbussen Mittagessen ausgeliefert. "Kindergärten, dem Babypflegeheim, der Schule und den Schülern wird das Essen von 50 Mitarbeitern und Freiwilligen gebracht. Benachteiligte Menschen erhalten ihre Portion kostenlos", beschreibt Fülöp die Maßnahme.

Den Bewohnern Kiskunhalas, die älter als 70 Jahre sind, wird empfohlen, zu Hause zu bleiben. "Wir können die Menschen nicht dazu verpflichten, aber wir bringen ihnen Einkäufe, Arzneimittel und das Mittagessen nach Hause." Dass alle Einwohner informiert sind, wurde unter eine große Kampagne mit Fernsehen, Radio und Plakaten gestartet.

Das Krankenhaus in Kronachs ungarischer Partnerstadt behandelt ansteckende Patienten bereits seit Jahrzehnten in einem separaten Gebäude, die Anzahl der Betten wird nun auf 80 erhöht. "Außerdem wurde am Rande der Stadt mit dem Bau eines mobilen Krankenhauses begonnen, in dem 150 Patienten Platz hätten. Beatmungsgeräte wurden bereits installiert." In Kiskunhalas werden derzeit 16 000 Masken hergestellt, die für die Familien kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Seit dem Nationalfeiertag am 15. März hängen die National- und Stadtflaggen als Symbol für die Zusammengehörigkeit.

Touristen bleiben aus

In Kronachs Deutscher Partnerstadt Rhodt unter Rietburg stehen derzeit alle 550 Gästebetten leer. "Der Tourismus und die Gastronomie kommen komplett zu erliegen", bedauert Katrin Schilling, Beigeordnete der Ortsgemeinde Rhodt unter Rietburg. Normalerweise herrscht in der Ortsgemeinde, die 1100 Einwohner zählt, um diese Jahreszeit Trubel. "Mit dem Beginn der Mandelblüte im März geht die Saison normalerweise los", berichtet Schilling. Diese sei bei einem Spaziergang in Richtung der Rietburg oder zur Villa Ludwigshöhe gut zu beobachten. "Pro Jahr haben wir im Durchschnitt um die 20 000 Übernachtungen, wir werden definitiv mit Einbußen rechnen müssen." In Rhodt unter Rietburg gibt es außerdem 15 Winzer, auf die sich das Wegbleiben der Touristen ebenfalls auswirkt. Sie versuchen, ihre Ware online zu verkaufen.