Bereits seit sechs Jahren setzt sich der Verein Hajastan-Armenienhilfe Erlangen-Höchstadt für humanitäre Projekte in Armenien ein. Ganz besonders unterstützen die rund 40 engagierten Mitglieder ein medizinisches Zentrum und ein Waisenhaus in der Stadt Vanadzor im Norden des Landes. Die Kinder- und Jugendklinik (Direktor ist Prof. Wolfgang Rascher) des Universitätsklinikums Erlangen spendete nun zum zweiten Mal über den gemeinnützigen Verein dringend benötigte medizinische Ausstattung.
Wolfgang Vogel und Georg Walcher von der Hajastan-Armenienhilfe freuten sich, wurden doch an der Kinderklinik zwei Lastwagen mit Spenden fertig gepackt und auf den Weg nach Armenien geschickt. Prof. Rascher spendete gebrauchte, aber voll funktionsfähige Kinderkrankenbetten, eine Endoskopieanlage, Tische, Stühle und weitere medizinische Geräte seiner Klinik.
Vom Waldkrankenhaus St. Marien kam zusätzlich orthopädisches Material wie Bandagen und Schienen. Nicht zuletzt luden die fleißigen Helfer Kleidung und Bettwäsche, gegeben von Höchstädter Bürgern, in die Spendentransporter. "Wir möchten ein großes Danke sagen", betonte Wolfgang Vogel, "an das Uni-Klinikum Erlangen und besonders an Professor Rascher für die jahrelange und unkomplizierte Unterstützung unserer Projekte."
Georg Walcher schilderte die Hintergründe der Armenienhilfe: Der Norden des Landes sei in einem schlimmen Zustand, die Arbeitslosigkeit liege bei 90 Prozent und die Löhne blieben niedrig, obwohl das Preisniveau mit dem in Deutschland zu vergleichen sei. Wer könne, der wandere aus, wem dazu die Mittel fehlten, der ginge wenigstens in den etwas erschlosseneren Süden des kleinen Landes, das zwischen der Türkei, Georgien, Aserbaidschan und dem Iran liegt. "Im Norden bleiben somit nur die Ärmsten zurück", erläuterte Walcher traurig, "die Alten, Kinder und Jugendlichen - ohne Perspektive und moderne Struktur."
Umso wichtiger sei da die tolle Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichem Verein, Uni-Klinikum und Erlanger Unternehmen. Der Beck, die Erlanger Bäckereikette, und das Kerzenstudio Ernst Stäblein sponserten für den Transport der Sachspenden nicht nur zwei Lkws, sondern legten auch noch das Benzingeld obendrauf. Die Hummert Umzüge, Transport und Service GmbH steuerte rund 60 Umzugskartons bei, damit alle medizinischen Geräte und die Kleidung ordentlich und schonend für ihre weite Reise verpackt werden konnten. Der Transport geht zunächst nach Marseille und von dort aus, in Kooperation mit einer französischen Hilfsorganisation, mit dem Schiff weiter.
Vor Ort hilft die Hajastan-Armenienhilfe mit den Spenden des Uni-Klinikums Erlangen dem lokalen Krankenhaus, das seit seinem Bau in den 1980er-Jahren nicht mehr modernisiert werden konnte - ebenso wenig wie seine medizinische Ausrüstung. Wolfgang Rascher hatte sich im vergangenen Sommer während eines Vor-Ort-Besuchs ein eigenes Bild von der Situation auf der Kinderstation in Vanadzor gemacht: "Die Ärzte dort sind allesamt gut ausgebildet", versichert er anerkennend. "Aber wenn die Mittel veraltet oder nicht vorhanden sind, können auch sie keine großen Sprünge machen. Wir helfen dann natürlich sehr gerne."
Darüber hinaus unterstützen die Vereinsmitglieder mit den Spenden aus Mittelfranken das Waisenhaus, in dem bis zu 100 Kinder und Jugendliche leben. Die Hajastan-Armenienhilfe hat dort zusammen mit Einheimischen eine Lernwerkstatt ins Leben gerufen. Die Jungen erlernen handwerkliche Fähigkeiten und die Mädchen erhalten eine Handarbeitslehre, damit sie, wenn sie das Heim mit der Volljährigkeit verlassen, berufliche Perspektiven haben.
Alexander Beck, Sohn der spendenden Bäckereifamilie, der Vanadzor ebenfalls schon besucht hat, betont für alle Spender und die, die es noch werden möchten: "Es ist immer wichtig, zu wissen, dass das, was man gibt, auch wirklich ankommt. Und das ist beim Verein Hajastan-Armenienhilfe zu 100 Prozent der Fall." Mitte April kommt der vollgeladene Container mit den Spenden aus Erlangen und Höchstadt in Vanadzor an. Melanie Schmitz