Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen und das Krankenhaus St. Josef haben in Schweinfurt ein Modellprojekt zur psychosozialen Hilfe für Asylsuchende gestartet. Ein Team aus einer Psychologin und geschulten Laienberatern aus dem Kulturkreis der Geflüchteten hilft den Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung seit März, mit psychischen Belastungen umzugehen, so eine Pressemitteilung.
Ärzte ohne Grenzen will damit auch auf die unzureichende psychologische Versorgung von Asylsuchenden in Deutschland hinweisen und Organisationen und Behörden hierzulande anregen, ähnliche Programme zu starten.
"Die Asylsuchenden in Schweinfurt berichten uns, wie sie in Syrien ausgebombt oder in Afghanistan bedroht wurden, wie sie in Somalia Angehörige verloren oder auf der Flucht durch Libyen gefoltert wurden", sagt Projektleiterin Henrike Zellmann.


Weltweites Modell

"Dazu kommt die Unsicherheit über ihre Zukunft in Deutschland. Die Menschen brauchen Unterstützung, um mit diesen Belastungen umzugehen. Leider gibt es dafür in Deutschland zu wenige Angebote, und die Sprachbarriere ist ein großes Problem. In Schweinfurt wollen wir zeigen, dass unser in zahlreichen Flüchtlingslagern weltweit bewährtes Modell psychosozialer Hilfe auch Asylsuchenden in Deutschland helfen kann." Seit März haben die Psychosozialen Berater der von Ärzte ohne Grenzen und dem Krankenhaus gemeinsam getragenen "Ambulanz für seelische Gesundheit St. Josef" mehr als 110 Asylsuchende beraten. Die Berater bieten ihre Hilfe auch in der Gemeinschaftsunterkunft in Geldersheim bei Schweinfurt an, heißt es in der Mitteilung weiter. sg