D iese Worte werden Martin Luther zugeschrieben:"Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen." Vor 500 Jahren schlug er seine kirchenkritischen Thesen an der Schloßkirche in Wittenberg öffentlich an. Er löste damit eine hart geführte und lebhafte Diskussion aus. Dass ein einzelner sich gegen die Lehrmeinungen der Kirche und die im Staat Mächtigen stellte, war ein no go, wurde heftigst bekämpft, führte zur Verfolgung Luthers selbst, und zu öffentlichen Hinrichtungen vieler seiner Anhänger.
"Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen." Hat Martin Luther dies wirklich gesagt? Wir wissen es nicht so genau. Aber es ist immer wieder erzählt worden und wurde für die evangelischen Kirchen und ihre Gläubigen zu einem inneren Leitwort. Widerständig sein, auch mal unbequem, nur dem eigenen Gewissen verpflichtet, das gehört zum evangelischen Selbstverständnis. Dies brachte den Evangelischen auch den Namen Protestanten ein.
Bemerkenswert ist, dass Luther im Jahr 1517 auch eine Abhandlung über das Kirchenasyl verfasst hat. In ihr verteidigt er das Recht auf Asyl in Kirchen gegenüber staatlichen und behördlichen Übergriffen. Übergriffe auf den Schutzraum der Kirche bezeichnet er als Majestätsbeleidigung (gegenüber Gott). Er stellt gleichzeitig aber auch Regeln auf, wie innerkirchlich mit dem Asylrecht zu verfahren ist. Beides war ihm wichtig: Dieses uralte Menschenrecht zu hüten und zu schützen, gegenüber dem Staat und gegenüber laxer Handhabung in den Kirchen selbst. Heute werden Menschen, die sich für Gäste im Kirchenasyl einsetzen, Gemeinden, Pfarreien und Orden, stark unter Druck gesetzt. Von den Staatsanwaltschaften wird in Bayern die Gewährung von Kirchenasyl als Beihilfe zum illegalen Aufenthalt, der Gaststatus im Kirchenasyl als illegaler Aufenthalt gewertet und geahndet.
Wenn unser Glaube und unsere innerste religiöse Überzeugung angegriffen wird, wenn wir das Gebot "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" gegenüber einem fremden Nächsten in höchster Not leben, dann gilt es, standhaft zu bleiben. Dann ermutigt uns das Reformationsjubliäum zu sagen:
"Wir stehen hier und können nicht anders. Gott helfe uns. Amen"
(Doris Otminghaus ist evangelische Pfarrerin in Haßfurt.)