Schulleiter Christian Neundörfer spricht liebevoll von seinem "Raumschiff" und meint damit den Schulkomplex: Die Grund- und Mittelschule Hirschaid mit ihren vielseitig angedockten Anbauten mutet auf einem Grundrissplan tatsächlich wie die ISS an, die als Außenposten der Menschheit in 360 Kilometer Höhe die Erde umrundet. Jedoch: Neundörfers Raumstation mit rund 30 Klassenzimmern sowie zahlreichen Neben- und Verwaltungsräumen steht festgemauert im Boden der Regnitzau und harrt einer gründlichen Erneuerung. 12,5 Millionen Euro sind nach derzeitigen Kostenschätzungen nötig, damit die 1955 eröffnete Bildungseinrichtung für die Zukunft gerüstet ist.
Kürzlich traf nach dreijährigen Verhandlungen die schulaufsichtliche Genehmigung für das Raumprogramm der Grund- und Mittelschule Hirschaid ein. Um der Entscheidung am grünen Tisch Nachdruck zu verleihen, illustrierte die Schulleitung ihre Forderung mit einen selbst gefertigten Dokumentarfilm zur desolaten Situation.
Nachdem nun klar ist, welche Zugeständnisse die Bezirksregierung an die räumlichen Erfordernisse macht, kann's mit dem ersten Bauabschnitt der Sanierung losgehen. Bürgermeister Klaus Homann (CSU) und den Schulleiter freut es riesig, dass nun mit der Detailplanung und bald auch mit der Ausschreibung begonnen werden kann. Aus einem Architektenwettbewerb erhofft man die besten Vorschläge.
Als Erstes kommt der 1955 errichtete Altbau mit seinen acht Klassen-, Fach- und Nebenräumen an die Reihe. Er ist wegen seiner ungenügenden Isolierung und schadhafter Fenster der Kältepol der "Raumstation". Oft ist es im Winter in den Klassenzimmern so zugig und kühl, dass sich Schüler und Eltern beschweren. Wegen eines Wasserschadens wurden 2015 im Vorgriff auf die geplante Generalsanierung die Böden, Innentüren und der Wandanstrich erneuert sowie die Fachräume für Hauswirtschaft neu ausgestattet. Sanierungsbedürftig sind die gesamte Haustechnik von der Heizung über Lüftung und Sanitär bis zur Elektrotechnik.
Da die Fernwärmeleitung von der Übergabestation ins älteste Schulhaus durch einen unzureichend isolierten Tunnel unter dem Schulhof verlegt worden ist, entsteht nach Auskunft von Neundörfer ein Vorlaufverlust von 30 Grad. Dafür hat die Hirschaider Schule den bayernweit vermutlich einzigen Schulhof mit Bodenheizung. Die Gebäudefassade weist bauphysikalische Mängel auf, so dass die Fassade mit einem Wärmeverbund-System oder einer hinterlüfteten Fassadenbekleidung versehen wird.


Gemeinde braucht Kredit

Für diesen Bauabschnitt 1 wird mit 3,5 Millionen Euro Kosten gerechnet. Die Marktgemeinde erwartet dazu eine Förderung von über 50 Prozent aus Staatsmitteln. Das Projekt ist nach Auskunft von Bürgermeister Homann in der mittelfristigen Finanzplanung des Marktgemeinderats enthalten. Klar sei, dass für den Gemeindeanteil ein neuer Kredit aufgenommen werden müsse. Für die Dauer der Sanierungsarbeiten werden auf dem weitläufigen Schulgelände bis zu zehn Klassencontainer aufgestellt, die allein 200 000
Euro Mietkosten pro Jahr verschlingen.
Nach dem Altbau soll es mit der Sanierung des Zwischenbaus sowie den 1965 und der 1970 fertiggestellten Schulgebäude weitergehen. Dafür sind Baukosten in Höhe von vier und fünf Millionen Euro veranschlagt. Für die Baukörper aus den Jahren 1991 und 2000 sowie für die 2010 zur heutigen Mensa umgebaute ehemalige Turnhalle, die sich noch in einem guten Zustand befinden, wird derzeit kein Sanierungsbedarf gesehen. Etwa zu Pfingsten 2019 hofft der Bürgermeister, den Startschuss für das Großprojekt geben zu können.