von unserem Mitarbeiter 
Klaus-Peter Gäbelein

Herzogenaurach — Man schrieb das Jahr des Herrn 1738. Im Raum Herzogenaurach hatten zum wiederholten Male "leydige Ungewitter" an der Ernte so großen Schaden angerichtet, "dass eine Theuerung und gefolgliche Noth ... einzureißen begunte. Um dem Übel zu steuern", taten sich "hiesige Pfarr- und andere umliegende Catholische-Gemeinde-Genossen zu einem Gelübde zusammen". Man wolle künftig von Herzogenaurach aus jährlich im Sommer nach "vollbrachter Schnitt-Erndt" gemeinsam nach Dettelbach am Main zum "Marianischen Gnaden-Acker" wallfahren, um die Maria um Fürbitte bei ihrem Sohn Jesus gegen "Ungewitter, Hagel und Güsse" zu ersuchen.
So beschrieb anno 1757 der Pfarrer von St. Magdalena, Johann Erhard Ammon, den Beginn der bis heute existierenden Traditionswallfahrt der Herzogenauracher Katholiken zur "Schmerzhaften Muttergottes in Dettelbach". Nur in Kriegszeiten hat man die Wallfahrt wenige Male ausgesetzt, und selbst die braunen Machthaber konnten die Herzogenauracher Christen nicht daran hindern, in den 1930er-Jahren auf "ihre" Wallfahrt zu gehen.

Zum 29. Mal zu Fuß dabei

Seit 1988, als man an die 250. Wallfahrt erinnerte, also zum 28. Mal, läuft Helmut Fischer die rund 85 Kilometer nach Dettelbach. Er hat damals die Fußwallfahrt wieder ins Leben gerufen, das alte Wallfahrtsbuch überarbeitet und neu auflegen lassen und für seine Teilnehmer entsprechende T-Shirts für die Abendandacht und die Lichterprozession in Dettelbach drucken lassen.
Und während die Fußwallfahrer, die bereits am frühen Freitagmorgen in Herzogenaurach losgelaufen sind, am Samstag um 5 Uhr von Geiselwind aus auf dem Weg zu ihrem Ziel sind, startet in Herzogenaurach die Gruppe der Bahn- bzw. Buswallfahrer um 5.45 Uhr mit dem Reisesegen in Richtung Puschendorf. Hier hat man früher den Zug in Richtung Mainstockheim bestiegen und ist dann zu Fuß bis zum Ziel gepilgert. Heute ersetzt ein Bus die Eisenbahn, weil der Fahrplan der Deutschen Bahn auf die Herzogenauracher Gruppe keine Rücksicht nimmt.
Wenn dann am Sonntag beim festlichen Gottesdienst die Dettelbacher Wallfahrtskirche mit Herzogenauracher Gläubigen besetzt ist, sind auch 18 Firmlinge dabei, die mit Pfarrer Hetzel und Thomas Matzick sowie einigen Eltern einen Teil der Strecke mit dem Fahrrad zurückgelegt haben.