Tabellenführer TS Herzogenaurach hat bei Angstgegner TSV Ismaning unerwartet deutlich gewonnen und seinen Vorsprung auf die Verfolger in der Handball-Bayernliga gewahrt. Coach Hans-Jürgen Kästl relativierte das Ergebnis umgehend: "Wir hatten zwar Personalprobleme, doch Ismaning traf es noch härter, zumal die Bundesliga-A-Jugend, aus der mehrere Akteurinnen immer wieder bei der Frauenmannschaft aushelfen, parallel im Einsatz war. Zudem wirkte der zuletzt so starke TSV-Neuzugang Klinac aus Kroatien nicht mit."
Gleichzeitig zeigte er sich beeindruckt von der Einstellung seiner angeschlagenen Spielerinnen, die sich trotz ihrer Blessuren in den Dienst der Mannschaft stellten und entscheidend dazu beitrugen, dass die TSH die vermeintlich schwere Aufgabe doch gut gerüstet in Angriff nehmen konnte. Unter diesen personellen Vorzeichen kam es aber nur zu einer Begegnung auf mäßigem Niveau, in der die Gäste zumindest in der Abwehr vom Anpfiff weg ihre Spitzenposition untermauerten.

TSV Ismaning -
TS Herzogenaurach 16:29
Zwar gelang der Turnerschaft das zweite Tor erst nach sechs Minuten und das dritte vier Minuten später, doch die Gastgeberinnen hatten da erst einen Treffer verbucht - ein Zeichen für den zähen Auftakt. Die TS-Akteurinnen mussten offensichtlich erst einmal herausfinden, wer ihnen gegenüber stand, waren sie doch auf eine andere Besetzung eingestellt. Immerhin ermunterte die Abwehrstabilität die Gäste, ihre stärkste Offensivwaffe vermehrt anzuwenden, nämlich die Tempogegenstöße primär über beide Außenangreiferinnen.
Vor allem Sarah Stephan und Tanja Küffner enteilten ihren Gegenspielerinnen immer häufiger. Mit der 15:4-Pausenführung hatte die TSH die Begegnung praktisch schon entschieden. "Wir hatten natürlich Glück mit der personellen Konstellation und da wir im Deckungsverband rasch funktionierten, gelangen dem Gegner vor der Pause lediglich drei Feldtore", analysierte Kästl.
Weil Martina Ebersberger noch angeschlagen war, stellte er zum Wiederanpfiff Annika Bernhardt ins Tor, die ebenfalls zu gefallen wusste. Inzwischen ist die TSH so stabil, dass sie in den zweiten 30 Minuten nichts mehr anbrennen ließ. "Wir haben unsere Aufgabe seriös erledigt, ohne dass wir das Ergebnis überbewerten", erklärte ein spürbar erleichterter Gästetrainer. Vor der Begegnung hatte er geäußert, dass es Begegnungen gebe, die man gewinnen müsse, um bis zum Saisonende ganz oben zu bleiben. Dazu gehörte die Partie im Landkreis München, weswegen der 55-Jährige mit Blick auf eine sich andeutende Rumpfbesetzung im Vorfeld erhebliche Bedenken hatte.
Das Team verfügt heuer aber über eine ausgezeichnete Moral. Wenn es erforderlich ist, nehmen andere die Verantwortung. In Ismaning vertrat Küffner die mit ihrer A-Jugend beschäftigte Saskia Probst gut. Die Französin Carole Mittelheisser zeigte, wie wertvoll sie für ihre Mannschaft geworden ist, wenngleich sie bei ihren Würfen noch etwas mehr Geduld braucht. Die junge Laura Wedrich. die ihre Verletzung noch nicht richtig auskuriert hatte, half ebenso wie die angeschlagenen Stefanie Mittasch und Kristin Lang, die Weichen auf Sieg zu stellen. Selbst Viktoria Egle fand in ihrer erst zweiten Begegnung nach über 14 Monaten Verletzungspause (Knie) zu mehr Selbstvertrauen. Ein Wermutstropfen war, dass sich Amelie Theobald ihrerseits am Knie verletzte. Das TS-Lager hofft auf Entwarnung, was die Schwere der Blessur angeht.
TSH: Ebersberger, Bernhardt - Lang (2), Mittelheisser (4/1), Stephan (5), Egle (2), Bestle (2), Wedrich (6/2), Mergner, Erdmann (2), Mittasch (1), Theobald, Küffner (5)