von unserem Redaktionsmitglied 
Sabine Herteux

Höchstadt — "Manche sagen, bei uns sieht es aus wie in einer Arztpraxis", schmunzelt Jitka Zollhöfer (53) und lässt vom gläsernen Esstisch aus ihren Blick über die vorrangig weißen Möbel schweifen. Sie und ihr Mann wollten keine Winkelchen und keine Erkerchen mehr. Keine Ecken, Kanten oder Nischen. Sie wollten klare Linien, großzügige Räume, viel Platz. Und genau das haben sie sich Am Galgenberg 5 in Höchstadt auch erfüllt. "Wir hatten vorher den klassischen Landhausstil, das konnte ich nicht mehr sehen. Dieses Haus ist sehr puristisch - und wir wollen das genau so", erklärt Thomas Zollhöfer (54).
Zwischen all den anderen Häusern mit Satteldach und farbiger Fassade fällt allein die Außenansicht von Zollhöfers Haus sofort ins Auge. Wer sich schon immer gefragt hat, wie das moderne weiße Kubushaus wohl von innen aussieht, der hat heute die einmalige Gelegenheit dazu.
70 private, öffentliche und kirchliche Vorzeigeobjekte in Franken öffnen an diesem Wochenende unter dem Motto "Architektur bewegt" ihre Türen - auch Jitka und Thomas Zollhöfer. Ihr Zuhause kann heute, Samstag, von 12 bis 14 Uhr, besichtigt werden. Auch die Architektin Farzaneh Nouri-Schellinger wird vor Ort sein und sämtliche Fragen der Besucher beantworten.
Zugezogen aus der Gemeinde Burgthann (Landkreis Nürnberger Land) leben der gebürtige Oberasbacher und die gebürtige Nürnbergerin seit anderthalb Jahren in ihren neuen vier Wänden. Küche, Essbereich und Wohnzimmer befinden sich im Erdgeschoss, bilden einen gemeinsamen Raum. Direkt am Eingang gibt es zudem ein Gäste-WC. Im Obergeschoss sind Büro, Schlafzimmer, ein zweites Wohnzimmer und ein Bügelzimmer untergebracht. Insgesamt ist die Wohnfläche 175 Quadratmeter groß, die Räume sind 2,80 Meter hoch. Das Flachdach bietet zusätzlich mehr Platz: "Die Räumlichkeiten können noch besser genutzt werden", erklärt Zollhöfer.

Luftdichte Steckdosen

Das Besondere: Das Haus ist ein Passivhaus. Eine Belüftungsanlage sorgt dafür, dass zum einen die verbrauchte Luft nach draußen abgibt, zum anderen frische Luft in die Räume angesaugt wird. "Im Winter wird die Luft im Wärmetauscher im Keller leicht erwärmt", erklärt Thomas Zollhöfer.
Das Haus ist komplett luftdicht, wie in einem Vakuum, keine Energie kann verloren gehen. Die Fenster sind dreifach verglast, die Türen habe eine spezielle Dichtung. "Selbst durch die Steckdosen kann keine Wärme entweichen. Sie haben spezielle Dichtungsringe", sagt Zollhöfer.
Und das ist längst nicht alles. Bei den Zollhöfers gibt es nämlich noch eine weitere Besonderheit: eine Erdwärmepumpe 95 Meter tief in der Erde. Mit ihr wird das Haus das ganze Jahr über gleichmäßig erwärmt. "Eine spezielle Flüssigkeit gelangt aus der Erde direkt in den Heizungsraum", erklärt Zollhöfer. Zusätzlich verhindert eine Beschattungsanlage an allen Fenstern, dass das Haus durch die Sonne aufgeheizt wird: "Ein Bekannter, der zum ersten Mal hier war, glaubte zuerst, wir hätten eine Klimaanlage. Selbst an heißen Tagen ist es durch die Lamellen nämlich immer kühl."
Die Anschaffungskosten für die ganze Technik sind zwar nicht ohne. Trotzdem wollen die Zollhöfers auf keinen Fall mehr darauf verzichten: "Man muss zwar erstmal einiges investieren, aber es lohnt sich! Die Nebenkosten sind sehr gering", sagt Zollhöfer. Für die Heizung zahlt das Ehepaar 45 Euro im Monat. Und nicht nur der Geldbeutel freut sich, für Jitka Zollhöfer bietet das Passivhaus auch ein großes Stück Lebensqualität: "Das Leben ist hier gesünder. Wir haben ständig frische Luft und wohnen nicht in Räumen, in denen die Luft abgestanden ist."

Erdgeschoss weiter verbreiten

Auch die Architektin Farzaneh Nouri-Schellinger aus Erlangen ist von dem Haus begeistert: "Es ist so geplant, dass es für die eigenen Eltern oder ein Kind jederzeit ausbaufähig ist. Die Fläche im Erdgeschoss kann zudem verbreitert werden." Die Architektin will heute unter Beweis stellen, dass das Haus deutlich mehr zu bieten hat, als eine bescheidene Arztpraxis.