Schwierige Zeiten wie diese können auch Kräfte freisetzen und Menschen zusammenschweißen. Deutlich wurde dies bei der Bezirksdelegiertenversammlung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnen-Verbands (BLLV). Sämtliche Funktionsträger wurden online in geheimer Wahl ohne Gegenstimme gewählt. Bezirksvorsitzender Henrik Schödel wurde mit lediglich einer Enthaltung und 104 Ja-Stimmen in seinem Amt bestätigt.

"Wir wollen, dass unsere Kinder in einer weltoffenen Gesellschaft leben", appellierte Schödel an die Mitglieder. "Unsere Kinder sollen Respekt, Wertschätzung und Interesse für die anderen Menschen erleben und leben - unabhängig davon, welcher Religion sie angehören, welche Hautfarbe sie haben, welche Muttersprache sie sprechen und welche Meinung sie vertreten."

Viele Pädagogen würden mit größter Sorge beaobachten, wie sich die Stimmung in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen in unserer Gesellschaft verändern, machte der Bezirksvositzende deutlich. "Wir erleben eine Aggressivität, eine Sprache des Hasses, der Geringschätzung und Diskriminierung. Diese Verrohung des Umgangs miteinander wirkt sich auch auf Kinder und Jugendliche aus."

Gespaltene Gesellschaft

Die Lehrer sähen den Grundkonsens im Land bedroht. Sie beobachteten, wie die Gesellschaft gespalten und Menschen emotional aufgehetzt werden. Ex­treme Gruppierungen und Personen würden zu dieser Verrohung des Umgangs maßgeblich beitragen. "Hass, Aggressionen und Angst aber zerstören Gemeinschaft - egal, ob im Klassenzimmer, in der Schule oder zwischen den Nationen Europas." Sachliche und respektvolle Kontroversen, "wie wir sie in der Gesellschaft und im privaten Leben brauchen", würden dadurch zunehmend erschwert, so Schödel.

Die an den Schulen und in Kindertagesstätten Wirkenden wünschten sich mehr Anerkennung für ihr Tun. Wesentlich sei, Kinder in ihren Stärken zu unterstützen und zu fördern.

Der BLLV sei bestrebt, nicht zu jammern, sondern das Beste aus der Situation zu machen, unterstrich Präsidentin Simone Fleischmann, die sich mit ihren Stellvertretern Gerd Nitschke und Tomi Neckov aus München zugeschaltet hatte. Die mangelnde Wertschätzung und den Umgang miteinander sprach auch Fleischmann an. Der Verband verstehe sich völlig anders: "Wir schätzen uns wert, wir sind eine Solidargemeinschaft, stehen zusammen, halten zusammen, vertreten uns gegenseitig und freuen uns über guten Austausch. Wir sind eine wertvolle Solidargemeinschaft." Corona mache deutlich, wie wichtig Zusammenhalt sei.

Der BLLV beziehe klar und deutlich Stellung, zeige immer auch Lösungen auf. "Bleiben wir immer sachlich und professionell, auch in sozialen Netzwerken", sagte sie. "Wir haben es nicht nötig, jemanden menschlich zu verletzen." In der Förderinitiative des Kultusministeriums "gemeinsam.Brücken.bauen" sah sie viel Positives, angesichts des akuten Lehrermangels werde es aber schwer sein, die guten Ansätze umzusetzen.

Ob dabei die Maßnahme "Sommerschule 21" wirklich die Schüler mit besonderem Bedarf erreiche, bezweifelte Fleischmann. "Wir kritisieren nicht den Inhalt, aber welches Kind, dem der durch die Pandemie erschwerte Schulalltag noch in den Knochen sitzt, hat in seinen Ferien wohl Lust, in die Schule zu gehen?"

Neben Henrik Schödel (Naila; Rektor in Hof) als Vorsitzendem sind Gisela Jahreiß (Kreisvorsitzende in Coburg; Lehrerin in Neustadt Wildenheid-Haarbrücken) und Norbert Trütschel (Oberhaid; Rektor an der Rückert-Schule Coburg) die stellvertretenden Bezirksvorsitzenden. red