Eckehard Kiesewetter Zentnerschwer wiegt der Schnee, und doch muss er vom Gehsteig geräumt werden - viel zu schwer für die betagte Witwe. Was tun? Oder: Die Büsche wachsen vom Grundstück weit in den öffentlichen Bereich hinein, aber der Senior kann nicht mehr wie früher auf der Leiter herumkraxeln. Dem Mann kann geholfen werden, genau wie der alleinerziehenden Mutter, deren Küche dringend einen neuen Anstrich benötigt, die sich den Handwerker aber nicht leisten kann. In solchen Fällen will die "Bürgernetz-Gemeinschaft" einspringen, die in Ebern jetzt durchstarten will.

Die Idee setzt auf ehrenamtliches Engagement, das Können, die Fähigkeiten oder auch technischen Mittel von Bürgern, die sich gerne für andere einsetzen würden und auf die Solidargemeinschaft in der Siedlung, im Dorf oder der Stadt. Ideal wäre es, wenn der eine seine Kräfte beispielsweise beim Rasenmäher einbrächte und der andere sich dafür mit dem Verfassen eines Behördentextes revanchieren könnte, wenn die Oma für den Buben stricken würde, der für sie Bodengänge übernimmt.

Vor allem aber geht es darum "Mitbürgern zu helfen, denen es alleine, aufgrund welcher Umstände auch immer, nicht möglich ist, Dinge des täglichen Lebens selbst zu erledigen", erklärt Bürgermeister Jürgen Hennemann, der die Initiative nach einem holperigen Start jetzt richtig in die Gänge bringen will.

Der Ideengeber hatte an gute Bürgernetz-Erfahrungen in Kronach anknüpfen wollen, fiel dann aber krankheitsbedingt aus. Dann wollte ein Frauentrio übernehmen, das jedoch aus beruflichen Gründen bzw. wegen eines Umzugs zerfiel. Übrig blieb Dina Claasen, die jetzt die Koordination allein übernehmen wird. "Aber ich kann nur vermitteln und nicht alle angeforderten Hilfsdienste übernehmen", betont sie.

Im März hatte es eine Umfrage in der Bevölkerung gegeben, bei der etliche Freiwillige Hilfsangebote machten, vor allem aber viele Menschen Unterstützungsbedarf anmeldeten. Winterdienst steht hoch im Kurs, Gartenarbeit oder Fahr- und Einkaufsdienste, weiß Dina Claasen. Die 60-Jährige arbeitet im Pflegedienst und nebenher beim Roten Kreuz. "Ich hab da so'n Drive für soziale Dinge", sagt die Berlinerin, die seit gut einem Jahr in Rentweinsdorf wohnt. Sie betont, dass es auf jeden Fall viel zu wenige Pflegedienste in der Region gibt.

"Ein Bedarf ist auf jeden Fall da", stellt Bürgermeister Hennemann fest, da sich immer wieder Bürger in der Verwaltung wegen des Bürgernetzes melden. Gute Erfahrungen damit hat man beispielsweise auch in Oberaurach oder in Untermerzbach gemacht. Hennemann schwebt vor, das Netzwerk in die "Baunach Allianz" einzubringen, um Synergien zu erzeugen und womöglich Fördermittel zu generieren. Auch die Rummelsberger Wohngruppen oder die Schulen könnten einbezogen werden. Es geht um soziales Miteinander und um Hilfe zur Selbsthilfe unter den Bürgern.