Wer Heinz Güthlein kannte, der kannte ihn nur mit Kamera in der Hand. Wie viele Aufnahmen wir ihm verdanken, bleibt ungezählt. Nun kommen keine neuen Bilder mehr hinzu. Heinz Güthlein ist tot. Der Fotograf aus Leidenschaft starb am 1. Januar im Alter von 89 Jahren.
Er war gerade zwölf, als er seine erste Kamera bekam. Es war ein winziges Gerät von Sida Optik, mit dem sich Abzüge gerade so in Briefmarkengröße anfertigen ließen. Gern erzählte er, wie er damit seine Schulfreunde knipste. Der Krieg ging an dem Jungen aus Creidlitz nicht spurlos vorüber. Nach seiner Lehre als Werkzeugmacher wurde er zum Reichsarbeitsdienst einberufen. Danach musste er sogar noch an die Front. 1945 kehrte er aus der russischen Gefangenschaft zurück nach Creidlitz und konnte wieder für seinen alten Arbeitgeber, die Firma Gemmer in Coburg, arbeiten. Die Leidenschaft für die Fotografie war ihm im Krieg nicht vergangen. Im Gegenteil, inzwischen hatte er sich eine Voigtländer Kamera im Format sechs mal neun angeschafft, über die er einmal sagte: "Damit ging es erst richtig los." In den 50er Jahren entstanden aus den vielen Fotos, die Heinz Güthlein in seiner geliebten Heimat schoss, erste Lichtbildvorträge in Farbe und mit Ton. Er wurde Kreisbildberichterstatter und die jährliche Tonbildschau, die er in diesem Amt erstellte, wurde in 89 Dörfern gezeigt. Abende, die stets bestens besucht waren.So wurden die lokalen Medien auf Heinz Güthlein aufmerksam. Bald waren seine Aufnahmen in Zeitungen zu finden. Über Jahrzehnte arbeitete er auch für das Coburger Tageblatt - nicht nur als Fotograf. Denn schon zu Beginn der Zusammenarbeit lieferte Heinz Güthlein auch Texte zu den vielen Ereignissen, die er im Bild festgehalten hatte. Das Kürzel "güth" war über viele Jahre aus der Zeitung nicht mehr wegzudenken.
Heinz Güthlein fotografierte Prominenz aus Politik und Kunst von Willy Brandt bis Vico Toriani, Heidi Brühl oder Petra Schürmann. Ein wahrer Schatz aus Aufnahmen liegt nun in seinem Archiv, das er zuletzt, schon an den Rollstuhl gefesselt, noch immer pflegte. Neue Aufnahmen kommen nun nicht mehr dazu. Heinz Güthlein wird am Dienstag, 10. Januar, um 14 Uhr, auf dem Friedhof in Ahorn beigesetzt. rlu