Kemmern — Wie in vielen Gemeinden im Landkreis Bamberg leben auch in Kemmern seit April dieses Jahres Flüchtlinge. Um sich gegenseitig kennenzulernen, fand deshalb eine ganz besondere Veranstaltung statt, nämlich ein musikalisches Begegnungsfest. Wie der Name schon verrät, stand bei diesem Fest die Begegnung im Vordergrund, begleitet von einem bunten Musikprogramm.
Initiiert wurde das Fest von Cornelia Lehmbecker, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kemmern und den Kirchenstiftungen. Sie hat viel mit den Flüchtlingen zu tun, gibt ihnen Deutschunterricht und weiß, wie wichtig es ist, dass Kemmern und seine neuen Einwohner aufeinanderzugehen. Daher wurde das Fest der Begegnung mit dem Ziel organisiert, dass alle zusammenkommen und gemeinsam einen schönen Nachmittag bei Musik verbringen.
Alle Menschen freuen sich, wenn sie eingeladen werden, und die Flüchtlinge selbst sind sehr gastfreundlich, erzählt Lehmbecker, die mit sichtlich viel Freude durch das Programm führte. Da sie selbst Musik macht - sie trat bei dem Fest ebenfalls auf - kam sie schnell auf die Idee, ein solches musikalisches Begegnungsfest zu initiieren, denn "Musik verbindet". Die bunte Mischung von Musikgruppen, die sowohl heimische als auch internationale Klänge zum Besten gaben, unterstrich den Charakter dieses Fests.
Es gebe so viel Negatives, daher müssten auch positive Nachrichten her, so Lehmbecker. Für sie ist das gegenseitige Kennenlernen wichtig, denn es sei hilfreich, den einzelnen Menschen zu sehen und nicht nur die Flüchtlingswelle, von der viele sprechen.
Bei dem Fest soll es dabei nicht um Politik gehen, sondern darum, was jeder selbst tun kann. Viele fühlen sich hilflos, wollen den Flüchtlingen helfen, wissen aber nicht wie. Ein solches Fest sei ein guter Anstoß, aber es gebe noch viele andere Möglichkeiten aufeinander zuzugehen und zu helfen, wie etwa eine Kleiderbörse oder einfach das gemeinsame Kaffeetrinken.
Im Moment leben 37 Asylbewerber in Kemmern, die aus Syrien, Albanien, Armenien, Irak oder dem Kosovo stammen. "Trotz vieler Sprachen und Kulturen funktioniert es hier richtig gut", berichtete der Hausverwalter der Awo, Orlando Gally. Die Flüchtlinge wurden im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt, zum Teil berichteten sie von ihren Erfahrungen. Davon, dass sie ihre Heimat, ihre Häuser und Wohnungen wegen des Krieges verlassen mussten, auf dem Weg die Hölle erlebten und Familienmitglieder verlieren mussten. Umso dankbarer sind sie, hier angekommen zu sein. Ein solch geselliger Nachmittag bei Musik soll den Kopf frei machen und die Flüchtlinge für ein paar Stunden ihr Schicksal vergessen lassen, so Lehmbecker. Und vor allem sollen die Asylbewerber auch willkommen geheißen werden bei "unserem Willkommensfest", wie Bürgermeister Rüdiger Gerst (CSU) es formulierte.
Die Stimmung bei diesem Willkommensfest war gut, es wurde mitgesungen und geklatscht. Es fanden sich zahlreiche Gäste in Kemmerns Pfarrheim ein, sogar so viele, dass zwischenzeitlich noch zusätzlich Tische und Stühle aufgebaut werden mussten. Nadine Rener