Nach zweieinhalb Jahren unter dem Schweden Robert Andersson hat sich der Handball-Club Erlangen wieder einen Skandinavier als Trainer seiner Bundesliga-Mannschaft geholt. Die Amtszeit von Interimstrainer Tobias Wannenmacher ist damit nach nur zweieinhalb Wochen vorbei. Nicht nur die deutsche Nationalmannschaft hatte mit dem Isländer Dagur Sigurdsson gute Erfahrungen gemacht und Anfang 2016 die Europameisterschaft gewonnen. Auch der TV Hüttenberg vertraute einem Mann von der Insel im Norden.
Doch nach dem Durchmarsch aus der 3. in die 1. Liga und einem soliden Start im Oberhaus kehrt Aðalsteinn Eyjólfsson dem Aufsteiger den Rücken. Er habe die Verantwortlichen Mitte vergangener Woche darüber informiert, den Verein kurzfristig verlassen zu wollen. Diesem Wunsch habe der TVH nach mehreren Gesprächen mit Eyjólfsson und dessen Berater entsprochen, heißt es auf der Homepage der Hessen. Die Entscheidung treffe die "Blau-Weiß-Roten" völlig unvorbereitet und überraschend. Eigentlich hatte Geschäftsführer Lothar Weber den Vertrag mit dem zweimaligen Aufstiegstrainer verlängern wollen. Dafür waren in der Woche nach dem Heimsieg gegen Ludwigshafen Gespräche angesetzt. "Wir bedauern diesen plötzlichen Schritt, wollen aber alles daran setzen, dass die Trennung gütlich verläuft. Jetzt müssen wir schnell eine personelle Lösung finden", erklärte Weber.


Hüttenberg ist auf der Suche

Angesichts der Länderspielpause hat der Klub immerhin einen kleinen Zeitpuffer, um einen Nachfolger zu verpflichten und ihn dem Heimpublikum am 5. November gegen den TVB Stuttgart zu präsentieren. Bei der knappen 30:31-Pleite beim TBV Lemgo am Sonntag stand Eyjólfsson somit zum letzten Mal für Hüttenberg an der Seitenlinie. Die Mannschaft wird interimsweise von Co-Trainer Alois Mráz betreut. Der Tscheche und ehemalige TVH-Rückraumspieler betreut momentan auch die Oberligamannschaft der Hessen.
Eyjólfsson hatte den TV Hüttenberg im Januar 2015 übernommen, konnte den Abstieg aus der 2. Liga aber nicht verhindern. Aus der 3. Liga heraus gelang dem Isländer der Durchmarsch in die Bundesliga. "Wir sind Aðalsteinn für die erfolgreichen drei Jahre sehr dankbar und wünschen ihm - unabhängig von der für uns schwierigen Situation - alles Gute", sagte Weber. Der A-Lizenz-Inhaber füllt ab sofort die vor knapp drei Wochen vakant gewordene Stelle beim HC Erlangen aus - "einem wirtschaftlich besser situierten Klub", schreibt der TVH in seiner Pressemitteilung.


Großen Aufwand betrieben

Für die Mittelfranken ist es nach eigener Aussage der Wunschkandidat. Der zweifache Vater hatte gestern und damit einen Tag nach der deutlichen Pleite des HCE in Leipzig bereits seinen ersten Arbeitstag. Sein Vorgänger und Interimscoach Wannenmacher sei in die Gespräche mit dem 40-Jährigen eingebunden gewesen und habe dessen Verpflichtung ausdrücklich begrüßt. "Es war wirklich ein sehr großer Aufwand, den wir auf uns genommen haben, um mit interessanten Kandidaten zu sprechen, die Situation zu prüfen und verantwortlich zu bewerten", gibt René Selke Einblick in die Suche nach dem optimalen Trainer.
Der Geschäftsführer des HCE habe trotz der aktuellen sportlichen Situation großes Interesse am einzigen bayerischen Bundesligisten festgestellt. "Wir sind zum Ergebnis gekommen, dass unsere Mannschaft einen dynamischen Trainer braucht, der Erfolg ausstrahlt, der den modernen Handball repräsentiert, der konsequent und doch kommunikativ ist", erklärt Selke.
"Adli" Eyjólfsson sei dafür der richtige Mann, denn er stehe für diese Eigenschaften wie kein anderer", schwärmte Selke. "Unser ganz besonderer Dank gilt Tobi Wannenmacher, der als Interimstrainer hervorragende Arbeit geleistet hat", ergänzte der Geschäftsführer.


Vor 20 Jahren in Deutschland

Eyjólfsson spielte in der Saison 1996/97 für den damaligen Regionalligisten TSG Balingen, musste seine Karriere jedoch wegen einer Knieverletzung beenden. Seine Trainerlaufbahn begann er im Jahr 2000 als Assistent der Frauenmannschaft UMF Stjarnen in der höchsten Liga seines Heimatlandes. Es folgten weitere Engagements im Frauenbereich, darunter beim deutschen Bundesligisten TuS Weibern (2004).
Sein erster Posten bei einer Männermannschaft war der SVH Kassel (Regionalliga) vor neun Jahren, ehe er bei Erstligist Eisenach und schließlich in Hüttenberg landete. Jetzt ging es noch weiter in den Süden. red