Eine Karikatur ist nach allgemeiner Definition eine satirische Hervorhebung bestimmter charakteristischer Züge einer Person, einer Sache oder eines Geschehens. Dieses Kunststück ist dem Kabarettisten Michl Müller am Freitagabend in der voll besetzten Neustadter Frankenhalle bestens gelungen. Über 1000 Menschen führte Müller in die Niederungen der Politik, hielt ihnen den fränkischen Spiegel vor oder erzählte ihnen ganz banale Geschichten aus dem Leben.


"Ausfahrt freihalten"

Eher unscheinbar gekleidet, mit seinem schwarzen "Dreggsagg"-T-Shirt, Jeans und Turnschuhen, stürmte er auf die Bühne, um von der ersten Minute an die Besucher in seinen Bann zu ziehen. Dem Charme, den er in seinem über dreistündigem Programm "Ausfahrt freihalten" versprühte, konnte sich kaum einer entziehen.
Mit feinem Spürsinn griff der sympathische Unterfranke das politische Tagesgeschehen auf und kommentierte es mit hintergründigem Humor. Zunächst nahm er mit geübtem Blick die Kanzlerin ins Visier. Der ehemalige Bundespräsidenten Roman Herzog sei schuld daran, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin ist. "Herzog hat gesagt, es muss ein Ruck durch Deutschland gehen, die Menschen haben Rock verstanden, seitdem hamer se."
Auch Donald Trump - "ein notgeiler Präsident mit totem Feldhamster auf dem Kopf" - blieb nicht ungeschoren. Er hatte noch ein paar Kosenamen für Politiker. So sprach er vom "Haubitzen Röschen" (Ursula von der Leyen), von der "Mensch gewordenen Wegfahrsperre" (Alexander Dobrindt) oder dem "Gebiss des Todes" (Thomas de Maizière).
Das Geheimnis von Michl Müllers Erfolg besteht darin, "normale" Lebenssituationen leicht zu überziehen und seine Pointen geschickt in Nebensätzen zu verstecken. Hinzu kommen eine ausgefeilte Mimik und voller Körpereinsatz.
Auch den Wandel der Zeit setzte er gekonnt in Szene. So stellte er fest: "Was früher Dubberabende waren, san heut Dessousabende." Er war sich sicher: "Die Dildos, die da angeboten werden, sind eingeschmolzene Dubberschüsseln." Einen setzte er noch drauf, als er meinte: "Erotik hat einen neuen Namen: Neustadt."


Neu Spezies: SUV-Mütter

Die Spezies SUV-Mütter definierte Müller so: "Die brettern mit ihrem Auto bis in den Sandkasten der Spielplätze und kritisieren dann die Kitas, weil ihre Sprösslinge nach zwei Monaten noch keinen Satz englisch sprechen." Unter tosenden Beifall erntete er für den Satz: "Uns ham se beigebracht, ,Grüß Gott' zu sagen, wenn mer irchendwo nei gekommen is, auch konnten wir ,Danke' und ,Bitte' sagen." Allerdings habe er selbst keine Kita besucht. "Ich bin nein Kinnergarden gegange."
Auch der Flüchtlingssituation nahm er sich an. So habe er Angst, dass viele Oberpfälzer aufgrund von Sprachproblemen bald in Auffanglagern leben müssten. Eine klare Absage erteilte der Unterfranke dem Ansinnen der Politik, bis 70 zu arbeiten. "Stellt euch moal führ, a Dachdecker müsste bis 70 arbeiten, da brauchsta vorm Gerüst Stellplätz fürn Rollator, am Gerüst müsstest an Treppenlift nahbau und oben steht a Dosen fürs Gebiss."
Müller verstand es, sein Programm mit musikalischen Beiträgen aufzulockern. Natürlich durfte die Hymne an die Ingwerreibe nicht fehlen. Für das Publikum hieß es aber, voll konzentriert zu sein. Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und man hatte eine Pointe verpasst. Michl Müller wäre nicht Michl Müller, wenn er über seinen eignen Quatsch nicht selbst lachen könnte.