Unter der Überschrift "Alte Geschichte unseres Waldes" hatte das Umweltbildungszentrum in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein Landkreis Haßberge zu einer geführten Wanderung bei Sand eingeladen. Der Termin fiel dabei mit dem traditionellen Wandertermin des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins zusammen, der sich deshalb der Führung anschloss. In Verbindung mit dem interessanten Thema erklärt sich somit die außergewöhnlich hohe Zahl von mehr als 40 Teilnehmern, wie der Historische Verein mitteilte.
Mark Werner, der sich seit Jahren in die Landschaftsgeschichte einarbeitet, leitete die Führung. Zur Vorbereitung gehörte nicht nur das Studium etlicher Fachbücher und Aufsätze, sondern auch der direkte Kontakt zu großen Persönlichkeiten aus dem Forschungsgebiet der Archäobotanik. Darunter waren so namhafte Forscher wie Professor Rösch (Uni Heidelberg), der grundlegende Informationen publizierte.
Dies führte zu teils überraschenden Erkenntnissen zur "Vorgeschichte" der Wälder. Mit Hans Stark vom Universitäts-Forstamt Sailershausen war ein aktiver Forstmann und Kenner der Geschichte unter den Gästen, der Werner vor allem bei der Bestimmung der Baumarten hilfreiche Tipps geben konnte.
Zu Beginn der Führung gab es einen kurzen Überblick zur Forschungsgeschichte. Dabei wurde vermittelt, dass viele Versionen der Waldgeschichte längst überholt sind, sich aber aufgrund vieler Wiederholungen und Abschriften teils bis in die heutigen Tage erhalten haben.


Vorstellung von der letzten Eiszeit

An der ersten Station, einem Parkplatz auf dem Plateau der einstigen Moto-Cross-Strecke, konnte man anschaulich die einst karge und nahezu baumfreie Vegetation am Ende der letzten Eiszeit nachempfinden. Schon vor über 100 Jahren erfuhr man durch sogenannte Pollenanalysen, das Auszählen alter Pollenfunde aus See- und Moorablagerungen, dass die ersten Wälder noch aus kältetoleranten und anspruchslosen Kiefern und Birken bestanden. Nach weiterer Erwärmung folgte in Süddeutschland der "Haselgipfel" vor rund 9000 Jahren.
Professor Hansjörg Küster hält es sogar für möglich, dass schon damals der Mensch seine Finger im Spiel gehabt haben könnte. Als sich der sesshafte Mensch vor etwa 7500 Jahren hierzulande ausbreitete, zog er in einen lichten Wald ein, in dem nach der Haselphase vor allem die Eiche dominierte. Knochenfunde von Feldhase, Wisent, Rothirsch, Auerochs und anderen Graslandbewohnern aus dieser Zeit belegen, dass der Wald kein geschlossen schattiges Blätterdach bildete, sondern licht und von Freiflächen durchsetzt war.
Professor Peter Poschlod (Uni Regensburg) berichtet in seinem aktuellen Werk "Geschichte der Kulturlandschaft" nicht nur über diese Abläufe, sondern auch über die späte und rätselhafte Ausbreitung der Rotbuche, wie Werner zitierte. Die bis heute oft zu lesende These, dass dabei das Klima eine entscheidende Rolle gespielt habe, wurde von wissenschaftlicher Seite oft bestritten und dürfte seit Vorliegen neuester Klimadaten als endgültig widerlegt gelten.


Eine wichtige Erholungsphase

Die Dezimierung der großen Pflanzenfresser durch den Menschen war für die Buche jedenfalls sehr vorteilhaft. Sie kann schließlich auch in wildarmen und daher schattig-dichten Wäldern Nachwuchs hervorbringen, wozu Eiche und Ulme nicht in der Lage sind. Die Forschungen zu diesen und vielen anderen Fragen sind jedoch noch lange nicht vollumfänglich ausgeführt.
An weiteren Stationen spannte sich der Bogen über den Anbeginn forstwirtschaftlicher Nutzung in der Jungsteinzeit bis hin zur Übernutzung der Wälder im Mittelalter, vor allem durch Beweidung.
Die Dezimierung der Bevölkerung im 14. Jahrhundert durch Hungersnöte und Pest verschaffte dem Wald eine wichtige Erholungsphase.
Ab dem 15. Jahrhundert erreichte der Rohstoff Holz einen so hohen Marktwert, dass die Wälder von da an zunehmend planmäßig geschützt und bewirtschaftet wurden. Damit beginnt eine neue Epoche und endete die geführte Wanderung. red