H at Gott mich dann nicht lieb?" Erschrocken schaut mich das neunjährige Mädchen an. Wir sind in der Kirche und sprechen über die Taufe. In der Taufe, so hatte ich gerade erklärt, sagt Gott Ja zu jedem Menschen und "Ich habe dich lieb und will dich begleiten." Das Mädchen war nicht getauft, aber im evangelischen Religionsunterricht.
"Hat Gott mich dann nicht lieb?" Die Frage kam aus tiefstem Herzen. Meine Antwort auch. "Natürlich hat Gott dich lieb. Ich glaube fest daran, dass Gott alle Menschen liebt und sie begleiten will."
In der Taufe gibt Gott uns dieses Versprechen mit auf den Weg. Wir werden hineingenommen in seine Liebe.
Gott sagt zu uns: "Ich will dich begleiten und mit dir gehen. Du bist der Welt nicht heillos ausgeliefert. Ich bin bei dir und will, dass dein Leben gelingt."
Wir stehen gemeinsam um den Taufstein. Viele der Kinder sind hier getauft worden, die meisten als kleines Baby. Manche können sich an die Taufe von Geschwistern erinnern.
In der Taufe hat Gott uns allen versprochen, dass er immer für uns da sein will wie ein guter Freund, erkläre ich den Kindern. Und weil die meisten von uns damals noch sehr klein waren, ist es gut sich an dieses Versprechen immer wieder zu erinnern und zu wissen, dass wir niemals alleine sind.
Wir gießen etwas Wasser in die Taufschale. Dass Wasser Leben bedeutet, wissen die Kinder. Ohne Wasser könnten wir alle nicht leben, so erzählen sie. Das Wasser der Taufe steht für das Leben, das Gott uns schenkt. Und dann bekommt jedes Kind mit etwas Wasser ein Kreuz in die Hand gezeichnet und dazu einen Vers aus dem Propheten Jesaja: "So spricht Gott: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein."
Das neunjährige Mädchen zögert erst etwas, dann hält auch sie mir ihre Hand entgegen.
Ein paar Monate später ruft mich die Mutter an. Sie haben ja mit Kirche nicht so viel am Hut, aber ihre Tochter will unbedingt getauft werden. Sie möchte auch richtig dazu gehören.
Und so stehen wir einige Zeit später wieder gemeinsam am Taufstein. "Siehst du", sage ich ihr danach, "jetzt hast du einen großen Vorteil gegenüber deinen Mitschülern. Du kannst dich an deine Taufe erinnern."
Aus dem kleinen Mädchen ist inzwischen eine Jugendliche geworden.
Ob sie sich manchmal noch an ihre Taufe erinnert? Vielleicht ihre Taufkerze anzündet? Ich wünsche es ihr. Denn egal, ob wir als kleine Babys, als Kinder oder Erwachsene getauft werden, es tut gut, sich manchmal an die Taufe zu erinnern und damit an das Versprechen Gottes: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein."

Kerstin Willmer ist Pfarrerin an der Johanneskirche.