Das Haßfurter Amtsgericht verhandelte gegen einen Fahrradfahrer aus dem nördlichen Landkreis wegen Trunkenheit im Verkehr . Der 53-Jährige hatte wegen seiner Verfehlung einen Strafbefehl erhalten, gegen den er Einspruch einlegte, so dass es zum Prozess kam. Am Ende blieb alles beim Alten.

Der Radler war einer Streife der Polizeiinspektion Ebern in Rentweinsdorf aufgefallen, weil er offensichtlich versuchte, sich einer Kontrolle zu entziehen, indem er wendete, als er das Polizeifahrzeug sah. Das nutzte nichts. Die Polizei stellte und kontrollierte den 53-Jährigen. Wie sich laut Staatsanwalt herausstellte, ergab die Blutentnahme 1,32 Promille.

Oft mit dem Rad unterwegs

Der Angeklagte , der mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Horst Soutschek, ins Gericht gekommen war, schilderte den Vorfall aus seiner Sicht. Er bezeichnete sich als jemanden, der gerne und viel Fahrrad fährt. So auch am besagten Tag im Mai 2020, als er sich in Reckendorf in einer Gastwirtschaft und später noch in einem Biergarten mit Bekannten getroffen hatte. "Als ich von Reckendorf Richtung in Richtung meines Heimatortes losfuhr, fühlte ich mich absolut fahrtüchtig", sagte der Angeklagte . In Rentweinsdorf brach er nach eigenen Angaben einen beabsichtigten Abbiegevorgang nach links ab, weil er hinter sich Fahrzeuge hörte. Kurz darauf sah er ein Polizeiauto . "Ich dachte mir, eine Kontrolle brauche ich jetzt nicht, weshalb ich meine Fahrtrichtung in einen mit Gras bewachsenen Weg änderte." Ein Polizeibeamter lief hinterher und stoppte ihn.

Quer auf dem Radweg

Die sachbearbeitende Polizeibeamtin der Inspektion Ebern schilderte, dass sie den Radfahrer zunächst auf dem Radweg wahrgenommen habe und in der Folge ihr Kollege, der am Steuer des Polizeiautos saß, bremsen musste, weil sich der Angeklagte verkehrswidrig verhalten habe. Daraufhin habe sie ihn vom Auto aus lautstark angesprochen, jedoch ohne eine Reaktion beim Radler zu bemerken. "Eventuell hat er das auch nicht gehört", mutmaßte die Polizistin .

Jedenfalls entschloss sie sich mit ihrem Kollegen, den Radfahrer zu kontrollieren. Deshalb überholten sie ihn und stellten sich auf dem Radweg mit ihrem Fahrzeug quer. Als das der Angeklagte sah - er war, wie die Beamtin auf Frage des Verteidigers sagte, etwa noch 100 Meter entfernt -, habe der Biker gewendet und sei in den mit Gras bewachsenen Weg gefahren, wo ihn ihr Kollege einholte und stoppte.

Die Richterin Kerstin Leitsch führte aus, dass laut Untersuchungsbericht Ausfallerscheinungen beim Angeklagten festgestellt worden seien und eine Beeinträchtigung seiner Fahrtüchtigkeit vorgelegen habe. Sie wies darauf hin, dass die Strafe im Urteil höher ausfallen könne als im Strafbefehl dargelegt. Daraufhin nahm der Beschuldigte nach Rücksprache mit seinem Anwalt den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück, der damit Rechtskraft erlangt. Was im Strafbefehl stand, wurde in der Verhandlung aber nicht erörtert.