Für das Jahr 2020 zeigen die Zahlen des bayerischen Landesamtes für Statistik für die Region Mainfranken eine leicht belebte Gründungsdynamik. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen lag im vergangenen Jahr bei 7143, was einem Anstieg von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (7016) entspricht. Zugleich hat sich die Anzahl der Gewerbeabmeldungen um elf Prozent verringert: von 6598 im Jahr 2019 auf 5861 im Jahr 2020. Der Gründungssaldo - also die Differenz aus Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen - lag bei insgesamt plus 1282 (2019: plus 418). Diese Zahlen gab dieser Tage die Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt bekannt.

Situation im Kreis Haßberge

Zum Einzugsbereich der IHK Würzburg-Schweinfurt gehört der Landkreis Haßberge mit seinen Unternehmen. Hier sieht die Bilanz für 2020 wie folgt aus: Im vergangenen Jahr registrierte die IHK 656 Gewerbeanmeldungen und 471 Gewerbeabmeldungen; das entspricht ei-nem Gründungssaldo von plus 185 (im Jahr zuvor lag dieser Wert bei minus 1).

Sehr unterschiedlich ist laut IHK die Entwicklung in den Teilregionen Mainfrankens: Alle Regionen verzeichnen mehr Gewerbeanmeldungen, eine Ausnahme bilden nur die Stadt Schweinfurt (2020: 396, 2019: 479) sowie die Landkreise Schweinfurt (2020: 873, 2019: 875) und Würzburg (2020: 1133, 2019: 1248).

Stabilisierung

"Wir sehen erfreulicherweise auch im Corona-Jahr eine Stabilisierung bei den Neugründungen in der Region", kommentiert Sascha Genders, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt , die aktuellen Statistiken. Corona stelle einerseits eine enorme Herausforderung dar, andererseits schaffe die Pandemie durch den beschleunigten Strukturwandel, etwa durch die Förderung digitaler Geschäftsmodelle, aber auch Potenziale für neue Ideen.

Appell an die Politik

Genders betont mit Blick auf die Statistiken, dass die Daten - gerade was die Zahl der Abmeldungen anbelangt - mit Vorsicht zu genießen seien. "Die erneute Aussetzung der Insolvenzantragspflicht hat zweifelsohne die Anzahl der Gewerbeabmeldungen im Jahr 2020 beeinflusst, so dass der hohe Gründungssaldo kaum Aussagekraft hat."

Die Politik sei gefordert, sich aktiv für eine Stärkung der beruflichen Selbstständigkeit zu engagieren. "Trotz der leicht ansteigenden Gewerbeanmeldezahlen sehen wir nach wie vor leider immer weniger Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Es braucht dringend mehr Begeisterung für Unternehmertum, zum Beispiel durch die Stärkung unternehmerischen Denkens in den Schulen sowie durch den Abbau von Bürokratie", erklärt Genders abschließend. red