In einer lauen Sommernacht im letzten Jahr wollte ein junger Industriemechaniker (21) eigentlich nur einen Streit schlichten . Doch das ging gründlich schief.

Als nämlich einer der betrunkenen Streithähne dem Mechaniker mit einer Bierflasche drohte, wurde es diesem nach seinen eigenen Worten „zu bunt“ und er ging zum Gegenangriff über und versetzte dem Betrunkenen eine saftige Ohrfeige an die Schläfe. Der Geschlagene stürzte zu Boden, verlor das Bewusstsein, erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Schlüsselbeinbruch.

Wegen Körperverletzung wurde nun der nicht vorbestrafte 21-Jährige aus dem Maintal zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt.

Um den genauen Tatablauf zu rekonstruieren, hatte Amtsgerichtsdirektor Christoph Gillot sieben Zeugen geladen. Da aber zur damaligen Tatzeit – es war wenige Minuten nach Mitternacht – alle mehr oder weniger blau waren, gab es in den Zeugenaussagen zum einen viele Erinnerungslücken, zum anderen auch zahlreiche Widersprüche. Einen völligen Filmriss hatte das Opfer, ein 26-jähriger Koch aus dem Landkreis Bamberg.

Abgesehen von etwa sechs Bier, die er in relativ kurzer Zeit konsumiert hatte, konnte er sich an rein gar nichts mehr erinnern. Ob dieses Loch in seinem Gedächtnis auf seine damalige Alkoholisierung zurückzuführen ist oder aufgrund der Gehirnerschütterung entstand, blieb ungeklärt. Jedenfalls wurde er nach dem Vorfall fünf Wochen lang krankgeschrieben.

Der sehr einsichtige Angeklagte schilderte dem Gericht den Abend aus seiner Sicht. Er war zusammen mit einem Kumpel mit dem Zug in die Domstadt gefahren. Sie liefen schon auf dem Rückweg in Richtung Bahnhof, als sie das laute Gebrüll von anderen Männern hörten. Dann kam es zu der völlig misslungenen Streitschlichtung .

Zunächt geflüchtet

Als der Geschlagene mit dem Kopf auf das Pflaster knallte und das Bewusstsein verlor, geriet der Angeklagte in Panik und rannte schnell weg. Aber wenige Minuten später besann er sich und kehrte um, weil er den anderen nicht hilflos liegen lassen wollte.

Als er zum Tatort zurückkam, wurde der Verletzte schon von den herbeigerufenen Sanitätern versorgt und die Polizei verhörte ihn.

Die naheliegende Frage, ob bei der ganzen Aktion nicht etwa eine rechtfertigende Notwehrsituation vorgelegen habe, wurde von den Juristen verneint.

Der Angeklagte wurde nämlich nicht wirklich angegriffen. Und da es unverkennbar war, dass der Koch sturzbetrunken war, hätte der Beschuldigte als Selbstschutzmaßnahme einfach weglaufen können. Frei nach dem Motto: Abhauen ist besser als zuhauen!

Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen á 60 Euro. Immerhin sprach der Vorsitzende in der Urteilsbegründung davon, dass die Tat „in Richtung Notwehr“ gegangen sei. Auch das Geständnis würdigte er. Rechtsanwalt André Kiesel aus Bad Kissingen ließ offen, ob die Verteidigung gegen den Richterspruch in Berufung geht.