Anne Salzbrenner, Pfarrerin in Lichtenfels, wird zum 1. Oktober die Nachfolge von Dekan Jürgen Blechschmidt im Dekanatsbezirk Rügheim antreten. Gleichzeitig übernimmt die 57-Jährige die Pfarrstelle in Rügheim /Kleinmünster. Eine Nachricht, die Ende Oktober große Überraschung, aber auch großes Bedauern auslöste.

Das Bedauern an ihrer alten Wirkungsstätte wird schon in den Worten deutlich, die Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner der Pfarrerin mit auf den Weg in die Haßberge gab: Anne Salzbrenner habe „Hervorragendes“ als stellvertretende Dekanin im Dekanatsbezirk Michelau geleistet, schrieb Greiner. „Sie kann integrieren und versöhnen und zugleich mit hilfreichen Impulsen in die Zukunft führen.“ Vor Ort hinterlässt die beliebte Seelsorgerin große Fußstapfen. Als vielseitig interessierter Mensch, als Pfarrerin mit einem offenen Ohr gerade für Menschen am sozialen Rand, als engagierte Sprecherin des Aktionsbündnisses „Lichtenfels ist bunt“, einem Zusammenschluss für Toleranz und Menschlichkeit, gegen Hass und Hetze. Aber auch als Chefin und Kollegin wird sie vermisst werden.

Für Überraschung sorgte ihr Wechsel, weil die Geistliche seit 26 Jahren als Pfarrerin in Lichtenfels tätig ist und trotz dieser ungewöhnlichen Dienstzeit allen Abwerbeversuchen und Wechselversuchungen widerstanden hatte. Warum jetzt? „Es hat mich gereizt, mal etwas anderes zu machen“, sagt Salzbrenner. Auch die Position der Dekanin habe sie zum Wechsel motiviert, so dass sie sich im September beworben habe. Nach Unterstützung durch Dr. Greiner und den Landeskirchenrat stimmte im Oktober auch das Wahlgremium vor Ort zu.

Nachdem sie den Obermain nun gut genug kennt, macht sich die gebürtige Münchnerin auf zu neuen Ufern am Main. „Ich glaube, es ist an der Zeit für einen Wechsel, auch wenn es zuvor immer gute Gründe gab, nicht zu gehen. Es hat mich gereizt und gefreut, Menschen ein kleines Leben lang zu begleiten“, sagt die 57-Jährige. Täuflinge wurden von ihr auch konfirmiert, Konfirmanden später getraut.

Mit den Jahren wuchs allerdings die Erwartungshaltung an die Elanvolle. Erwartungen, die Salzbrenner letztlich auch an die Substanz gingen, zumal sie selbst ihre größte Kritikerin ist. Zum Beispiel bei den Predigten, für die sie nicht nur in der Bibel, sondern auch im Alltäglichen Inspirationen findet. „Predigten von der Stange gibt es bei mir nicht“, versichert sie.

Im Dekanat Rügheim warten zwischen den Haßbergen, dem Maintal und dem Steigerwald 40 Kirchengemeinden mit 22 Pfarrstellen, dazu Diakon , Diakonin und Religionspädagogen sowie insgesamt rund 20 500 evangelische Christen auf die designierte Dekanin. Sie wird zuständig für das Wohl der Gemeinden, der Geistlichen und der kirchlichen Mitarbeiter sein und als Bindeglied zwischen Landeskirchenrat, Kirchenkreis und den Gemeinden vor Ort fungieren. Als Pfarrerin der Kirchengemeinden Rügheim (411) und Kleinmünster (288), dem zweiten Teil ihrer Stelle, wird Salzbrenner künftig knapp 700 Gemeindemitglieder betreuen, statt 2000 wie in Lichtenfels.

Hat sie Respekt vor der Funktion? „Ich freue mich auf die neuen Aufgaben, die selbstverständlich auch eine Herausforderung darstellen. Schließlich gibt es weder als Pfarrerin noch als Dekanin ein bestimmtes Schema, das man nur abspult. Jede Gemeinde, jedes Dekanat hat eigene Gepflogenheiten und Bedürfnisse, auf die es einzugehen gilt, nach besten Möglichkeiten. Das ist immer spannend.“ Herausforderungen sieht sie auch auf die Kirche allgemein zukommen: Verstärkt gelte es in einem neuen Miteinander über die eigenen Gemeindegrenzen hinweg zu arbeiten. „Die Welt dreht sich weiter und auch wir müssen immer wieder neue Wege gehen, um das Evangelium von der Hoffnung und dem Leben zu verkünden.“

Wie berichtet, hatte Dekan Blechschmidt sein Amt nach 14 Jahren niedergelegt, weil der Verheiratete eine neue Beziehung eingegangen war. Er wechselt auf eine Pfarrstelle in Neustadt bei Coburg. Wie Blechschmidt wird die neue Dekanin auch die Aufsicht über die Leitung des Diakonischen Werks mit 60 Mitarbeitenden sowie über die Jugend- und Behindertenhilfe übernehmen.

Bundesweit bekannt wurde Salzbrenner für ihren Einsatz für Flüchtlinge und ihr Engagement gegen Rassismus und Fremdenhass, lokal als Sprecherin von „Lichtenfels ist bunt“ sowie Mitinitiatorin monatlicher Begegnungscafés und Friedensgebete für Integration und Toleranz. Die Pfarrerin hatte in Abstimmung mit dem Kirchenvorstand sogar eineinhalb Jahre einem von Abschiebung bedrohten Syrer Asyl gewährt. Ja, sie sei ein politischer Mensch, weil sie den christlichen Glauben ernst nehme, sagt Salzbrenner von sich.

Die Stadt Lichtenfels ehrte die Pfarrerin 2019 mit der Ehrenmedaille, einer ihrer höchsten Auszeichnungen. „Anne Salzbrenner gibt denen eine Stimme, die selbst keine haben“, betonte Bürgermeister Andreas Hügerich in seiner Laudatio.

Besonders freut sich Salzbrenner auf die Rügheimer Pfarrkirche, eine Marienkirche aus dem zwölften Jahrhundert. Doch zuvor muss sie noch einige Vorhaben an ihrer alten Wirkungsstätte abschließen. 14 Trauungen haben sich angemeldet, Geburtstagsbesuche und nachgehende Seelsorge stehen an. Überhaupt die Seelsorge: Die liegt Salzbrenner sehr am Herzen. „Gerne lebe ich mit den Menschen vor Ort und teile Freud und Leid, dies gilt auch in Corona-Zeiten“, sagt sie. Gerade jetzt, in dieser herausfordernden Zeit, gelte es für sie, Kirche zu leben, „damit die Gesellschaft zur Ruhe kommt“. Als Termin für ihre Amtseinführung in den Haßbergen ist der 2. Oktober 2022 vorgesehen.