Nach 30 Ehejahren musste eine heute 59-Jährige aus einem Haßbergdorf am 19. September 2019 in eine Nebenwohnung auf dem selben Grundstück ausziehen. Gleichzeitig zog ihre Nebenbuhlerin in die Wohnung des Noch-Ehemannes ein. Seitdem herrschte „kalter Krieg“ auf dem Bauernhofgrundstück in dem kleinen Dorf.

Die spannungsgeladene Situation eskalierte am Abend des 17. Oktober 2020. Auslöser war ein kleiner Dreckhaufen, den die 59-Jährige nicht weggeräumt hatte. Es kam zur verbalen Auseinandersetzung mit der Geliebten des Mannes , die darin gipfelte, dass die verlassene Ehefrau der Nebenbuhlerin mit einem Handbesen auf Kopf und Rücken schlug. Die getroffene Frau erlitt eine Prellung am Auge, Sehstörungen und Kopfschmerzen und war zwei Wochen lang arbeitsunfähig. Sie erstattete am nächsten Tag Anzeige bei der Polizei . In der Folge erhielt die Ex-Frau einen Strafbefehl, gegen den sie Einspruch einlegte, so dass es zur Hauptverhandlung am Amtsgericht in Haßfurt kam.

Am Mittwoch musste sich die 59-Jährige vor Gericht verantworten. Da sie nicht vorbestraft ist, stellte das Gericht das Verfahren ein. Als Auflage muss sie 1500 Euro an den Weißen Ring zahlen. Ihr Verteidiger sagte, dass die Geliebte eine Ex-Arbeitskollegin des Ehemanns war. Seit die Nebenbuhlerin einzog, sei seine Mandantin beleidigt und herabgewürdigt worden. Der Noch-Ehemann habe mit seiner neuen Flamme im Hof des Grundstücks geknutscht. Der Angeklagten sei nahegelegt worden, sich vom Acker zu machen. Ihr sei im Winter die Heizung abgestellt worden. Briefe seien verschwunden. Unrat sei in ihrer Wohnung verteilt worden.

„Deine Tage sind gezählt“, sei ihr gedroht worden. Sie habe sich in ärztliche Behandlung begeben, weil der Terror zu groß geworden sei, so der Anwalt.

Die Angeklagte gab an, sie habe nur mit dem Handfeger gewedelt und ihre Konkurrentin höchstens leicht berührt.

Anders lautete die Aussage ihres Noch-Ehemanns. Er bezeugte die zwei Schläge mit der Handschaufel, die mit voller Absicht erfolgt seien. Seine Ex-Frau habe ein Jahr lang absichtlich Katzenkot im Hof und vor seiner Haustür verteilt, gab er zu Protokoll.

Das Opfer berichtete im Zeugenstand, sie habe nach dem Schlag Blitze im Auge gesehen. Ein ärztliches Attest belegte ihre erlittenen Verletzungen. Die Angeklagte beschrieb sie als „unberechenbar“. Sie habe heute noch Angst, vor allem nachts allein das Haus zu verlassen. Die Ex-Frau ihres Geliebten sei zwar inzwischen weggezogen. Sie fürchte jedoch, dass sie ihr auflauern könnte.

Richter Christoph Gillot bezeichnete das Verhalten des Trios als „Kindergarten in beide Richtungen“ und „peinlich“. Schlagen gehe dennoch nicht, weshalb er eine Geldauflage verhängt habe. Die komme jedoch nicht der Geschädigten zugute, um kein Öl mehr ins Feuer zu gießen, sagte Gillot.