Schlimme Zustände entdeckten Ärzte des Veterinäramts, als sie am 11. Juli 2018 einen Kuhstall im nördlichen Landkreis kontrollierten. Einige Kühe wiesen Nekrosen (abgestorbenes Gewebe) auf, manche hatten Schwielen und veränderte Klauen. Die Ärzte sahen blutende, offene Wunden und weggeklappte Hautstücke, so dass man in den Muskel schauen konnte. Eine Kuh konnte nur noch liegen, weil sie Schmerzen an den Klauen hatte. Insgesamt bemängelten die Tierärzte den Gesundheitszustand von acht Kühen und forderten den Landwirt dazu auf, die Tiere von seinem Haus-Tierarzt behandeln zu lassen.

Am Dienstag musste sich der Tierhalter am Amtsgericht in Haßfurt wegen "Misshandlung durch Unterlassen" verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, eine kranke Kuh , die Schmerzen hatte, nicht unverzüglich geschlachtet zu haben, obwohl ihm dies vom Veterinäramt am 30. Juli 2018 aufgetragen wurde. Das Tier wurde erst am 21. September 2018 eingeschläfert. Bis dahin musste es Schmerzen ertragen.

Auf der Anklagebank sagte der Landwirt, dass ein Tier nur geschlachtet werden kann, wenn es gesund ist, was bei der Kuh nicht der Fall war. Zudem sei sie im letzten Drittel der Trächtigkeit gewesen. In diesem Zeitraum habe sie ebenfalls nicht geschlachtet werden dürfen.

Am 11. September habe die Kuh zwei Kälber geboren. Er habe die Biestmilch der Mutterkuh gebraucht, um die Kälber durchzubringen. Denn sie seien krank gewesen. Durch die nährstoff- und vitaminreiche Biestmilch hätten sie überlebt. Auch sein Haustierarzt habe ihm dazu geraten, die Biestmilch zehn Tage lang zu verfüttern wegen der darin enthaltenen Antikörper.

Desolate Gesundheit

Deswegen sei die Kuh erst am 21. September 2018 eingeschläfert worden. Sie kam anschließend in die Tierkörperverwertung nach Walsdorf bei Bamberg. Dort wurde sie von Dr. Hermann Knörl untersucht und obduziert.

In seinem Gutachten vor Gericht beschrieb Knörl den desolaten Gesundheitszustand der Kuh . Sie hatte lange, ausgewachsene Klauen, die zerklüftet und entzündet waren. "Eine 650-Kilo-Kuh kann darauf nicht lange stehen", sagte der Tierarzt . Die Hörner der Kuh wiesen Querrillen auf, die auf Stoffwechselstörungen hinwiesen. Am Hüftknochen entdeckte Knörl schwarze Hautstücke und abgestorbenes Gewebe.

"Sie müssen sich hier nicht als Heiliger aufspielen. Das verstehe ich nicht, wenn ich die Fotos ansehe. Sie sollten klein und demütig sein", redete der Vorsitzende Richter Christoph Gillot dem Angeklagten ins Gewissen. Dennoch konnte Gillot keinen Vorsatz des Angeklagten erkennen, da ihm auch sein Tierarzt geraten hatte, die Biestmilch 14 Tage lang zu verfüttern, bevor das Tier eingeschläfert wurde. Trotzdem hätte der Landwirt der Kuh Schmerzmittel verabreichen müssen, um ihr Leid zu lindern.

Das Gericht einigte sich auf eine Einstellung des Verfahrens. Als Auflage muss der Angeklagte 500 Euro an die Tierschutzinitiative Haßberge berappen. Seinen Milchviehbetrieb hat der Bauer mittlerweile aufgegeben