Christiane Reuther

Spannende Einblicke in ein bäuerliches Dorf vom 16. Jahrhundert bis zur Jahrtausendwende gewährt der Westheimer Künstler und Autor Hannes Betz in seinem Buch „Made in Westheim – Dokumente des Lebens“.

Hannes Betz pflegt laut eigener Aussage seit seiner Kindheit eine große Sammelleidenschaft. Bei einem Besuch in den Atelierräumen des Künstler-Hofes fallen beim Betrachten Dokumente und Zeitungsausschnitte sowie Ausstellungsstücke ins Auge. Historische Fahnen, Briefe aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, Karten und vieles mehr sind anschaulich aufbereitet – teils unter Glas, wie eine historische Verkaufsurkunde aus dem Jahre 1578.

Wie kommt Hannes Betz auf die Idee, ein Buch zu schreiben? „Eine Ausstellung ist einmalig“, äußert sich der Initiator des Westheimer Künstlertreffs. Deshalb habe er sich entschlossen, die Zeitdokumente in einem Buch festzuhalten, um sie so der Nachwelt zu bewahren und weiterzugeben.

Das Buch gewährt anhand von Texten und Bildmaterialien, Zeitungsausschnitten, Briefen, Zeugnissen und Postkarten eine spannende Zeitreise in Westheims Historie zurück bis ins 16. Jahrhundert. Wobei die jüdische Geschichte, von der Westheim besonders geprägt ist, einen besonderen Raum einnimmt.

Schon vor Jahren reifte in Hannes Betz der Gedanke, eine Ausstellung über seinen Heimatort zu veranstalten. Er begann, Gegenstände zu sammeln, auf denen der Name Westheims verinnerlicht ist. Ein großer Teil der Exemplare wurden dem 62-Jährigen zugetragen, für die eine oder andere Rarität griff er aber auch in den eigenen Geldbeutel.

Um die Geschichte aufzuarbeiten, fotografierte Betz die ihm zugetragenen alten Bilder ab und scannte Zeitungsnotizen und Schriftstücke ein. Dabei half ihm sein Sohn Marcel. Daten über das Westheimer Dorfleben, angefangen vom Alltag über Feierlichkeiten im Privaten, bei Vereinen und in der Kirche bis hin zum politischen Leben hinterlegte Betz zunächst am Computer, um diese „Schätze“ nun geordnet im Buch zu präsentieren.

Der Autor hat sich mit der Historie Westheims stundenlang intensiv auseinandergesetzt, recherchiert, hinterfragt und historische Dokumente gesammelt. Im Zeitraum von vier Jahren wurde nun der Traum vom eigenen Buch über die Geschichte Westheims Wirklichkeit. Das Buch umfasst über 460 Seiten, darunter sind 90 Prozent mit originalen Dokumenten und zehn Prozent mit Abbildungen von Kopien hinterlegt. Stolz zeigt sich Betz über handschriftliche Aufzeichnungen von Westheimer Bürgerinnen und Bürgern. Da heutzutage nur noch wenige Menschen mit alten deutschen Handschriften vertraut sind, machte es die Suche nach der Vergangenheit laut Autor nicht leichter. Für die Übersetzung von altdeutschen Schriften nahm Betz deshalb die Hilfe eines Studenten aus Würzburg in Anspruch.

An heutige Sprache angepasst

Zum besseren Verständnis sind einige der Transkriptionen grammatikalisch leicht an die heutige Sprache angepasst, die meisten Texte sind jedoch im originalen Wortlaut belassen. In den erfassten Dokumenten geht es in den meisten Fällen um sehr profane Dinge, wie etwa eine Verkaufsurkunde, aber auch Meisterbriefe, Schulzeugnisse, Quittungen, Briefe, Heiratsurkunden und Postkarten zählen zu den Schriftstücken des täglichen Lebens, die der Autor als „Dokumente des Lebens“ bezeichnet.

Auch über die Geschichte der Westheimer Juden ist in dem Buch zu lesen. Nahezu ein halbes Jahrhundert lebten Christen und Juden in Westheim friedlich nebeneinander. Mit der Machtübernahme der NSDAP wurde es für die Westheimer Juden immer hoffnungsloser. Viele Familien wanderten nach Amerika aus. Ganze sechs Familien waren es noch, die 1942 die Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt antraten und nicht überlebten.

Das festgebundene Buch wurde mit einer Stückzahl von 200 Exemplaren aufgelegt und ist für 20 Euro bei Hannes Betz am Künstler-Hof zu erwerben.