Das Haßfurter Amtsgericht hat ein Verfahren wegen Beleidigung eingestellt. Als Auflage muss der Angeklagte 300 Euro zahlen.

Weil ein damals 59-jähriger Autofahrer auf der Maintalautobahn bei Ebelsbach am 25. Oktober vergangenen Jahres einem vorausfahrendem Autofahrer den gestreckten Mittelfinger, auch bekannt als Stinkefinger, gezeigt haben soll, erhielt er wegen Beleidigung einen Strafbefehl über eine unbekannte Geldsumme. Er legte Einspruch ein, so dass sich der Unternehmensberater aus dem Kreis Starnberg (Oberbayern) dieser Tage am Amtsgericht in Haßfurt verantworten musste.

Dort sagte er, dass er entspannt von Fulda heimfahren wollte und den Tempomat auf 130 Stundenkilometer eingestellt habe. Er sei aus allen Wolken gefallen, als er den Strafbefehl erhielt, und konnte sich zunächst nicht den Grund für die Strafe erklären. Ihm sei ein junges Mädchen in den Sinn gekommen, das ihn vom Rücksitz eines vorausfahrenden Fahrzeugs aus fotografiert habe. Er habe es mit einer Handbewegung gegrüßt. Er habe weder den Mittelfinger gezeigt noch die Lichthupe betätigt.

Dies sah der Anzeigenerstatter ganz anders. Der 36-jährige Projektmanager musste für seine Zeugenaussage aus Berlin anreisen. Im Zeugenstand gab er an, der Angeklagte sei von hinten schnell herangerast, sei dicht aufgefahren und habe die Lichthupe betätigt. Nach Aussage seiner Frau, die auf dem Rücksitz saß, habe er auch den Mittelfinger gezeigt. Er habe sich sehr unter Druck gesetzt gefühlt. Da er sich über das Verhalten des Dränglers ärgerte, habe er, in Berlin angekommen, per Internet über ein Polizei-Portal Anzeige erstattet.

"Ist das nicht viel Aufwand für so eine Angelegenheit?", wollte Richter Christoph Gillot wissen. Der Zeuge erwiderte, er habe an jenem Tag sogar gegen einen weiteren Fahrer Anzeige erstattet, weil er sich damals so aufgeregt habe. Die Frau des 36-Jährigen bestätigte die Aussage ihres Mannes.

Der Richter hielt sowohl die Aussage des Angeklagten als auch die Version der Zeugen für glaubwürdig. Es stehe Aussage gegen Aussage. Das Gericht stellte das Verfahren ein. Als Auflage muss der Unternehmensberater , der nach eigener Aussage coronabedingt seit einem Jahr keine Einnahmen hat, 300 Euro an die Kreisverkehrswacht Haßberge zahlen.