Raimund Vogt und Albin Schorn

200 Jahre St.-Andreaskirche in Wonfurt sind wahrlich ein Grund zum Feiern. Dieser Gedanke begleitete den Wonfurter Heimatforscher Raimund Vogt schon einige Jahre. Mit viel Fleiß und Sorgfalt, gepaart mit Fachwissen, hat er die Geschichte der Kirche recherchiert und im folgenden Beitrag zusammengefasst.

Der Nürnberger Heimatforscher Werner Hoppe , den es nach dem Zweiten Weltkrieg als Heimatvertriebenen etliche Jahre nach Wonfurt verschlagen hatte, hat sich in Verbindung mit dem damaligen Pfarrer Karl Rost beim Umbau der Andreaskirche 1971/72 sehr intensiv mit der Wonfurter Kirchenbaugeschichte befasst. In seinem 17-seitigen Bericht in Schreibmaschinenschrift (er liegt Raimund Vogt vor) geht er auch auf "Lage, Patrozinium, klassizistischen Kirchbaustil - Ausdruck des Zeitgeistes" ein.

Über eine Einweihung der neuen Kirche ist nichts bekannt. Die tatsächliche Bauzeit wird mit 1817 bis 1820 angegeben. Daher wurde auch in den drei Kirchenführern, die zum Kirchenumbau 1972, dann zum 175-jährigen Bestehen 1995 und schließlich 2018 im zuletzt herausgegebenen Kirchenführer die Bauzeit der St.-Andreaskirche für die Jahre 1817 bis 1820 genannt. Man kann zwar den Baubeginn im Juli 1817 nachweisen. Wann jedoch die neuerbaute Kirche ihren liturgischen Bestimmungen übergeben wurde, dazu ist nichts zu finden. Eine Einweihung dieses außergewöhnlichen Gotteshauses durch einen Bischof oder wann dort erstmals Gottesdienst gefeiert werden konnte, lässt sich bis heute nicht feststellen.

Diese offene Frage beschäftigte den leidenschaftlichen Heimatforscher Vogt schon seit 1995, als in diesem Jahr die Feier zum 175-jährigen Bestehen der St.-Andreaskirche anstand. Sie wurde auch damals mit Weihbischof Helmut Bauer festlich begangen.

Ein Besuch im Archiv der Diözese Würzburg im Dezember 1994, um den Termin der kirchlichen Weihe des Gotteshauses zu klären, brachte kein konkretes und sicheres Ergebnis. Nur aus dem Realschematismus der Diözese, Seite 220, gedruckt 1897, bei dem es um die Wonfurter Kirche ging, ist zu lesen: "jetzige Kirche 1824 erbaut ...". Gleichzeitig war die Jahreszahl 1824 handschriftlich durchgestrichen. Am äußeren Rand des Schriftstückes ist ebenso handschriftlich vermerkt: "benediziert 15.VIII 1821".

Originalschriftstück verbrannt

Auf Vogts Frage, von wem diese handschriftliche Notiz am Rand des amtlichen Schriftstückes stammt und was sie bedeutet, erklärte ihm der damalige Diözesanarchivar Erik Soder: Dies sei nur eine Privatnotiz eines Archivars, und zwar von Franz Bendel. Sie stamme aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg . Das Originalschriftstück dazu sei im Krieg verbrannt. Das habe in der Würzburger Bombennacht am 16. März 1945 auch auf viele andere Dokumente des Archivs zugetroffen.

Vogts offene Frage war also immer noch nicht geklärt. Da gab ihm Bürgermeister Holger Baunacher Zugang zum hiesigen Gemeinde-Archiv. Ernst Vollmuth hatte bis zu seinem Tod die Gemeinde-Unterlagen betreut. Jetzt hatte Vogt Einsicht.

So um das Jahr 2015 ließ sich mehr oder weniger zufällig im Gemeinde-Archiv ein Gutachten des Archivars Franz Bendel finden. Er hatte dieses im Jahr 1921 in Würzburg für die Gemeinde Wonfurt erstellt. Es ging dabei neben einem geschichtlichen Rückblick vor allem um Rechte und Pflichten der Schlossherrschaft zu kirchlichen und schulischen Belangen. Eine Frage stand auch zur Diskussion: Wer denn nach der Profanisierung der alten Kirche 1822 der Eigentümer des Gebäudes sei.

Im Nachtrag zu seinem Gutachten schreibt dann Bendel: "Trotzdem die Gutsherrschaft zum Kirchenbau nichts beigetragen, hatte sie doch in der neuen Kirche , die am 15. August benediziert wurde, sofort ihr Familienwappen aufhängen lassen, erhielt aber 1822 und 1823 vom Landgericht Haßfurt, zuletzt unter Androhung der Exekution, den wiederholten Befehl, das Wappen sofort wieder entfernen zu lassen."

So ist also eine Zweitschrift des Schriftstückes, das in Würzburg 1945 verbrannte, noch in Wonfurt erhalten geblieben. Damit lässt sich schlüssig belegen, dass die Wonfurter St.-Andreaskirche erst am 15. August 1821 durch die Weihehandlung zu allen gottesdienstlichen Handlungen genutzt werden konnte. Ob ein Bischof die Weihe oder Segnung vorgenommen hatte, geht aus den Unterlagen nicht hervor.

Was bedeutet benedizieren (lateinisch: bene + dicere)? Dies zeigt sich am Beispiel der neuerbauten Kirche zu Donnersdorf in den Jahren 1808 bis 1810: Am 13. Mai 1811 benedizierte Dekan Zeiler, Pfarrer in Obereuerheim, dieses Gotteshaus . Am darauffolgenden Sonntag, 14. Mai, wurde der erste Gottesdienst gefeiert. Die feierliche Konsekration am 15. September vollzog der Würzburger Weihbischof Gregor Zirkel . Ob auch in Wonfurt eine ähnliche bischöfliche Weihe in der Andreaskirche folgte, ist nicht bekannt.

Das Kirchweihfest verlegt

Aus den Unterlagen der Gemeinde geht weiter hervor, dass sich die Wonfurter Bürger ein Jahr nach der Benedizierung der neuen Kirche mit dem Termin des künftigen Kirchweihfestes befassten. Schleunigst wurde am 4. August 1822 eine Bürgerversammlung einberufen. Laut "Armen-Commissions-Protokollbuch" vom 4. August 1822 wurde einstimmig beschlossen: "Bringen mehrere Ortsnachbarn an, sie wünschten, daß gegenwärtig eine für die Bauern dringende und Geldmangelnde Zeit sey, das Kirchweihfest hier künftig jährlich an Martini, sowie an anderen Orten gehalten werden möge, weil durch diese Kirchweihverlegung dem hiesigen Ort jährlich ein Aufwand von 200 fl. (Gulden) erspart sey." Alle Anwesenden stimmten durch ihre Unterschrift der Verlegung des Kirchweihfestes zu. Seitdem wird in Wonfurt die Kirchweih immer am letzten Sonntag vor Beginn der Adventszeit gefeiert.

Eine herausfordernde Aufgabe

Aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass die 175. Wiederkehr der Weihe der Wonfurter St.-Andreaskirche 1995 mit Festgottesdienst, Festzug und Festzelt im Schlosspark ein Jahr zu früh erfolgte.

Gibt es heuer nun ein großes Jubiläumsfest in Wonfurt ? 200 Jahre St. Andreas mit einem dorfprägenden Kirchenbau im klassizistischen Stil? Gewiss wäre das eine herausfordernde Aufgabenstellung in der aktuellen Pandemiezeit für das Seelsorge-Team, die Pfarrgemeinderäte, Mitglieder und aktive Christen in Wonfurt . Doch zeigen Herausforderungen immer auch neue Wege auf, die gemeinsam gegangen werden können.

Das wäre für Raimund Vogt und seine Wonfurter Mitbürger mehr als ein beruhigender Gedanke.