Martin schweiger

Weil er seine eigene Schwester am 19. Juli 2019 mit einem Faustschlag niederschlug, hat das Amtsgericht in Haßfurt am Donnerstag einen 32-jährigen Mann aus dem Maintal zu einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro verurteilt.

Auf der Anklagebank rückte der Angeklagte nur scheibchenweise mit der Wahrheit heraus. Zunächst gab er an, seine 34-jährige Schwester nur an die Hauswand gedrückt zu haben. Ins Gesicht geschlagen habe er sie nicht. Eine angebliche Zeugin habe nichts sehen können, da sie ihr Kind im Auto angeschnallt habe.

Richterin Anne Völkel erinnerte den Angeklagten an seine Aussage bei der Polizei , wo er den Faustschlag bereits gestanden und das Protokoll selbst unterschrieben habe. „Das ist nicht meine Unterschrift“, ließ er das Gericht wissen, als ihm die Vorsitzende das Protokoll zeigte; er setzte seine Schimpftirade gegen seine Schwester fort. Die habe seine Kinder aufs Übelste beleidigt. „Das Fass war voll. Die ist geistig nicht ganz da“, fügte er hinzu und räumte dann ein, dass er eine Ohrfeige im Affekt ausgeteilt haben könnte.

Das zerrüttete Familienverhältnis wurde noch deutlicher, als die Schwester des Angeklagten in den Zeugenstand trat. Der älteste Sohn ihres Bruders habe ihren Sohn als „Bettnässer“ und „Behinderten“ beleidigt, gab sie zu Protokoll. Das Verhältnis zu ihrem Bruder sei daher „mies. Wir gehen uns aus dem Weg“, schilderte sie dem Gericht.

Am Tattag habe sie vor ihrem Wohnhaus eine Zigarette rauchen wollen, als sie unvermittelt von der Faust ihres Bruders im Gesicht getroffen worden sei. Sie sei mit dem Kopf an die Hauswand „geklatscht“, beschrieb sie. Ihr sei schwindelig gewesen, sie habe Kopfschmerzen gehabt und sei tagelang krankgeschrieben gewesen, sagte das Opfer.

Juristisch vorbelastet

Eine Zeugin bestätigte die Schilderung des Opfers, das nach dem Schlag geweint habe. Auch ihr eigenes Kind, das die Tat sah, sei schockiert gewesen, erklärte die Zeugin .

Ein Unbekannter ist der Angeklagte vor Gericht nicht. Drei Einträge stehen in seinem Bundeszentralregisterauszug, zweimal wurde er bereits einschlägig wegen Körperverletzungen verurteilt, einmal wegen eines Drogendelikts. Das jetzige Verfahren wurde bereits gegen eine Geldauflage eingestellt. Weil der Angeklagte die nicht zahlte, musste er erneut auf die Anklagebank.

Die Richterin glaubte den Aussagen der Geschädigten und der Zeugin . Immerhin reduzierte sie den ursprünglichen Strafbefehl von 2500 Euro auf 1000 Euro, weil der Angeklagte derzeit weniger Einkommen und dazu fünf Kinder hat.

Eine Entschuldigung kam dem Verurteilten im Gerichtssaal nicht über die Lippen. Er und seine Schwester würdigten sich keines Blickes.