Christian Licha

Menschen mit Behinderungen müssen sichtbar, hörbar, mittendrin sein. Dafür setzt sich die Lebenshilfe Bayern seit 60 Jahren ein. Über 50 Einzelaktionen hatten die lokalen und regionalen Lebenshilfen und ihre Einrichtungen für den dezentralen Lebenshilfe-Aktionstag organisiert, so auch in Haßfurt .

Die stellvertretende Landesvorsitzende Hildegard Metzger war am Freitag zu Gast an dem Informationsstand der Lebenshilfe Haßberge auf dem Kirchplatz und warb für ein Miteinander. Unter dem Leitspruch „Wir setzen Fußspuren in der Öffentlichkeit“ war der Informationsstand mit zahlreichen „Fußabdrücken“ geschmückt, in denen Betroffene ihre Forderungen an die Öffentlichkeit formuliert hatten.

Gute Zusammenarbeit

Maren Ricklinkat, die Bereichsleiterin der Offenen Hilfen der Lebenshilfe , hob die gute Zusammenarbeit mit der Rummelsberger Diakonie, der Volkshochschule (VHS) Haßberge und dem Verein „Lebenstraum“ hervor, von denen ebenfalls Gesprächspartner für die interessierten Besucher vor Ort waren. „Viele Vereine wie zum Beispiel der TV Hofheim leben bereits die Inklusion und beziehen Menschen mit Handicap in ihre Aktivitäten mit ein“, so Ricklinkat, die außerdem die VHS Haßberge für den barrierefreien Zugang zu ihren Bildungsangeboten lobte.

„Nicht alles ist schlecht. Es sind viele Erleichterungen da, aber man hätte es besser machen können“, sagte Lebenshilfe-Geschäftsführer Olaf Haase in Bezug auf die bereits erfolgte Umgestaltung des Marktplatzes in der Kreisstadt. Nach Meinung von Haase wurden die Betroffenen zu wenig bei den Planungen mit ins Boot genommen. Es fehle zum Beispiel an taktilen Zeichen für Blinde , also Orientierungsflächen, damit Sehbehinderte sich besser im öffentlichen Raum zurechtfinden können.

Auch gebe es klare Vorschriften für barrierefreie Bushaltestellen, die nicht am Kirchplatz umgesetzt wurden, bedauerte Haase. Außerdem böten die Entwässerungsrinnen rund um die „gute Stube“ der Stadt Haßfurt ein nur schwer zu überwindendes Hindernis für Menschen mit Rollator oder Rollstuhlfahrer.

Eva-Maria Fischer, die selbst an den Rollstuhl gebunden ist und seit 2008 als Verwaltungsangestellte bei der Lebenshilfe Haßberge am Marktplatz arbeitet, wäre über mehr Augenmaß froh gewesen. Der Höhenunterschied bei den Pflastersteinen an den Entwässerungsrinnen mache ihr oft Schwierigkeiten, wenn sie in der Innenstadt unterwegs ist, erklärte die junge Frau, die sich ansonsten an ihrem Arbeitsplatz sehr wohlfühlt.

Dienstleister seit 1962

Unter dem Motto „Miteinander – Wir gestalten Teilhabe“ setzt sich der Lebenshilfe-Landesverband Bayern seit 1962 als Dachorganisation der bayerischen Lebenshilfen insbesondere für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien ein. Der Verband wurde am 12. Mai 1962 von den ersten sechs bayerischen Lebenshilfen bei einem Treffen in Ingolstadt gegründet. Heute hat er gut 160 Mitgliedsorganisationen. Diese unterstützen, fördern und begleiten über 50.000 Menschen mit Behinderungen und deren Familien. Die Lebenshilfe hat ein umfassendes Netz kompetenter Hilfe aufgebaut – mit etwa 900 Einrichtungen, Diensten und Beratungsstellen. Auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Haßberge gibt es die Lebenshilfe auch bereits seit 52 Jahren.