Die Kluft zwischen einer 23-jährigen Mutter und ihrem 27-jährigen Ex-Partner, der kürzlich auf der Anklagebank des Amtsgerichts saß, muss groß sein. Denn kurz nach ihrer Zeugenaussage bat die 23-Jährige, den Gerichtssaal verlassen zu dürfen, weil sie die Nähe zu dem Angeklagten und Vater ihres Kindes nicht ertrage.

Das verwundert nicht angesichts der Vorwürfe, die ihm die Staatsanwaltschaft macht. Am 21. November vergangenen Jahres soll er seine Ex unter anderem als „Schlampe“ betitelt und ihr eine Ohrfeige verpasst haben. Am 3. Dezember 2020 kam es zu einem weiteren Fehltritt des Angeklagten , der schließlich das Beziehungsende einläutete. Der Angeklagte – er hatte einige Gläser Bier intus – trat im Streit die Schlafzimmertür ein und beleidigte erneut seine Freundin – unter anderem als „ Hure “.

Diese packte daraufhin noch in der Nacht ihre Koffer und verließ mit dem gemeinsamen Kleinkind die Wohnung. Die Beziehungskrise war damit aber noch nicht vorbei. Auf der Straße kam es zum Streit um den Hund. Dabei soll der Angeklagte die junge Frau zu Boden geschubst haben, wobei sie sich an Knie und Schulter verletzte.

Last but not least fuhr der Angeklagte am 3. Mai dieses Jahres betrunken Fahrrad er hatte 1,7 Promille intus. Er wurde von einer Polizeistreife erwischt.

Vor dem Amtsgericht erhielt der 27-jährige Arbeiter aus dem Maintal nun die Quittung. Richterin Anne Völkl verurteite den achtfach – auch einschlägig – Vorbestraften zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten, ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung. Als Auflage muss der 27-Jährige 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen und seine Abstinenz vom Alkohol regelmäßig nachweisen.

Auf der Anklagebank wies er die Vorwürfe weitgehend von sich – außer der Alkoholfahrt auf dem Fahrrad. Er habe seine Ex-Freundin damals nur beruhigen wollen und habe ihren Kopf mit seiner Hand zu sich gedreht, da sie sich von ihm abgewandt habe. Geohrfeigt habe er sie keineswegs.

Am Abend, als sie sich von ihm trennte und die Wohnung verließ, habe es ihr nicht gepasst, dass er sein Feierabendbier trinke. Sie sei damals mit dem Kleinkind überfordert gewesen. Im Streit um den Hund habe es eine Rangelei gegeben und sie beide seien dabei zu Boden gegangen, gab er zu Protokoll.

Eine andere Version lieferte die Geschädigte. Ihr Ex sei schon in der Vergangenheit des öfteren handgreiflich geworden. Beim ersten Vorfall habe er sie in die Ecke gedrängt und geohrfeigt. Als sie ihn verließ, habe er sie geschubst. Sie habe sich an ihm festgehalten und beide seien zu Boden gegangen, wobei sie verletzt worden sei. Er trinke fünf bis sechs Bier pro Tag und werde schnell aggressiv. Dies bestätigt auch der Bundeszentralregisterauszug des Angeklagten , in dem vier Körperverletzungen aufgelistet sind, sowie Drogen- und Verkehrsdelikte.

Sowohl die Staatsanwältin als auch Richterin Anne Völkl glaubten der Geschädigten. Die Anklagevertreterin forderte eine viermonatige Bewährungsstrafe, die die Vorsitzende so übernahm. Der Verteidiger sah nur den Vorwurf der Trunkenheitsfahrt für bestätigt und hielt eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro für angemessen. „Es kommt nichts mehr vor“, beteuerte der Angeklagte in seinem Schlusswort. Ein Bewährungshelfer soll ihm helfen, sein Wort zu halten.